Höchst interessante Familiengeschichte
Der heute in Armenien lebende Autor hat sich vier Jahre lang in der Ukraine, Armenien und der Demokratischen Republik Kongo für das Internationale Rote Kreuz um Kriegsgefangene, Vermisstensuche und Hilfslieferungen gekümmert. Seine erste Tätigkeit in Kiew im Jahr 2018 steht gerade bevor, als er die schriftlich niedergeschriebene Lebensgeschichte seiner Großmutter entdeckt, an der sie ab dem Alter von 75 Jahren bis kurz vor ihrem Tod 10 Jahre lang gearbeitet hat. Riepl fügt aus diesen Aufzeichnungen und seinen eigenen Erfahrungen in der Ukraine und im Kaukasus diese Erzählung zusammen, die abwechselt zwischen der Vergangenheit der Großmutter und Riepls Erleben der noch immer andauernden Konflikte in der Ukraine und Bergkarabach/Aserbaidschan. Es wird sehr viel Persönliches sehr beeindruckend wiedergegeben. Faszinierend ist das Buch, weil es so viele Informationen über die Geschichte der Schwarzmeerdeutschen auf dem Gebiet der Ukraine enthält, zu denen die Großmutter gehörte. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Altmontal/Samoschne und litt unter den Repressalien Stalins. Während der Unterdrückung der deutschen „Kulaken“ durch die Sowjetunion und dem Holodomor hatte sie das Glück, von Verwandten in Aserbaidschan aufgenommen zu werden. Im Zweiten Weltkrieg gelang ihr durch List die Flucht nach Bayern, obwohl sie als Volksdeutsche eigentlich in der Ukraine zu verbleiben hatte, um das Land als „Kolonie“ aufzubauen.
Das Buch ist geschichtlich äußerst wertvoll und wird besonders Leser ansprechen, die einen Flucht- oder Vertreibungshintergrund haben.
Das Buch ist geschichtlich äußerst wertvoll und wird besonders Leser ansprechen, die einen Flucht- oder Vertreibungshintergrund haben.