Lebensmut - trotz allem!

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Zu Anfang erinnert sich der Autor an seine Oma Hedwig Krämer, Landärztin in Sindlbach. Von ihrem früheren Leben weiß er wenig, doch ein Notizbuch, in dem sie Erlebtes notiert hat, wird ihm von seiner Mutter überreicht, als er gerade zu einer neuen Stelle aufbricht, bei einer Hilfsorganisation in die Ukraine.
Kurzer Abriss der Ereignisse, die zur jetzigen Kriegssituation geführt haben, zwischendurch immer wieder Rückblenden, vertrauliche Gespräche mit den anderen Helfern - Ukrainer oder Russen - Nationalität zählt bei ihnen nicht so viel, sie wollen etwas Sinnvolles tun, den Menschen helfen. Als ihn der Einsatz ganz in die Nähe des Geburtsortes seiner Großmutter, in die Südukraine führt, sieht er Altmontal, das heute Samoschne heißt. Der russische Bürgerkrieg hatte dazu geführt, dass die Urgroßeltern des Autors ihre Heimat verlassen mussten. Hof, Vieh, Obstbäume und Felder müssen sie zurücklassen - als sie zurückkehren, ist alles verwüstet und verdreckt. Damit beginnen die ersten Erinnerungen von Hedwig Krämer, der Großmutter.
Heute, 100 Jahre später, was wird er in Samoschne finden? Er vergleicht die aufgeschriebenen Notizen mit der heutigen Wirklichkeit und versucht sich vorzustellen, was sie als Kind erlebte: Hungersnot, später dann unter Stalin Zwangskollektivierung, Zwangsumsiedlung ihrer Familie mit sechs Kindern, denen man alles genommen hat. Ein entfernter Verwandter überredet die Familie, ihm Hedwig mitzugeben, und rettet sie so vor dem Hungertod. Sie gelangt zur zweiten Station Annenfeld, heute Shamkir in Aserbeidschan. Sie geht dort zur Schule, hilft bei der Baumwollernte und auf den Feldern, geht nach dem Abschluss dann zurück in ihre Heimat. Dort besteht sie die Aufnahmeprüfung für die Ausbildung zur Hilfsärztin.
Doch bei den Krämers schlägt die Geheimpolizei zu - der Vater wird abgeholt, Hedwig kann ihre Ausbildung erst mal nicht fortsetzen. In Kriegswirren und wechselndem Frontverlauf zwischen Russland und Deutschland wird die Familie auseinandergerissen. (Gleichzeitig in Kiew: Massaker der Deutschen an 30.000 Juden. Der nüchterne, unsentimentale Schreibstil von Michael Riepl lässt einen die geschilderten Grausamkeiten ertragen. Und Ironie des Schicksals: der Vormarsch der Wehrmacht verhinderte die Deportation von ebenso vielen Menschen aus der Südukraine ...)
in einem abgelegenen Dorf, unter widrigen Bedingungen bekommt Hedwig in einem heruntergekommenen Krankenhaus eine Stelle zugewiesen und kann dort erstmals ihren Beruf ausüben. Wenig später leitet sie in der Tokmaker Poliklinik die Physiotherapie. Doch die russische Geheimpolizei verhaftet alle Deutschen, um sie in Lager zu bringen. Nur der Vormarsch der deutschen Armee verhindert Hedwigs Deportation.
Sie muss nun für das deutsche Militär arbeiten - sie spricht ja gut russisch - und kann schließlich fliehen, indem sie sich mit zwangsverpflichteten Ukrainerinnen in den Transportzug nach Deutschland setzt.
Michael Riepl hat das Buch mit den wenigen geretteten Familienfotos ausgestattet, ebenso ist im Innenumschlag eine Karte mit den Lebensstationen der Hedwig Krämer in Osteuropa gedruckt. Er hat damit seiner bescheidenen Oma ein Denkmal gesetzt - ihr und vielen tausenden Menschen, die ein solches Schicksal teilen, deren Heimat, Familie und Lebensplanung durch den Krieg, Gewalt und Willkür zerstört wurde.