Nachhaltig eindrücklich, bewegend und berührend

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jeannine_m Avatar

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Nach der Leseprobe und dem beschaulichen Cover erwartete ich einen unterhaltsamen Familienroman. Ich lag selten so daneben.

Erst über die umfassenden Notizen, die er nach dem Tod seiner Grossmutter erhielt, erfuhr der Autor Michael Riepl von ihrer ereignisreichen Lebensgeschichte. Hedwigs Leben, geboren wurde sie im Jahr 1919, bewegte sich zwischen der Südukraine, dem Kaukasus und am Ende Deutschland wo sie als Landärztin tätig war.

Gekonnt verbindet der Autor diese Lebensgeschichte mit seiner eigenen Arbeit und Reisetätigkeit bei NGOs in diesen Gebieten. Eindrücklich schildert er in einem angenehm zu lesenden Schreibstil die zuerst idyllisch beginnende Kindheit, das kaum vorstellbar schwierige Überleben in Hungersnöten, die bedrückenden politischen Repressalien und das spätere heimatlose Dasein während dem zweiten Weltkrieg und danach. Kampf ums Überleben, Willkür, Verlust und Tod waren ihre Lebensbegleiter bis nach Deutschland um 1946. Und trotzdem hat Hedwig nie den Mut verloren. Für Michael Riepl war sie eine Heldin, dem kann ich nur zustimmen.

Geschickt vermittelt Riepl den Lesenden die politischen Zusammenhänge und Verbindungen zum Leben von Hedwig. Die Schlussfolgerungen zum heutigen Krieg in der Ukraine und den Konflikt im Südkaukasus werden klar, man versteht nach der Lektüre dieses Buches die Abfolge der Ereignisse bis heute.

Dieses eindrückliche Buch bekommt von mir eine klare Leseempfehlung. Das Buch erfordert Zeit und Präsenz, es berührt, stimmt nachdenklich und erklärt sehr anschaulich einen Teil Weltgeschichte. Hilfreich zur Orientierung ist auch die Landkarte im Buchdeckel.