Tragisch und spannungsgeladen.

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aerdna Avatar

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Firewatch bringt den Catcher schon im Prolog. Die Szene ist so tragisch und dramatisch, dass ich sofort Mitleid hatte und wissen möchte, was mit Aaron passiert ist.

Ist er vielleicht noch zu retten?
Man möchte so gerne hoffen.

Außerdem bringt die Frage danach, ob der Täter wirklich der Täter sein kann, ein Spannungsfeld mit sich - denn eigentlich wird er allzu offensichtlich präsentiert, als das nicht doch noch eine mitreißende Wendung zu erwarten wäre.

Es ist eine spannende Story vor einer tollen Kulisse, die zum Ort alptraumhafter Ereignisse wird; Kriminalfall gepaart mit Thriller.
Wochenlang mehr oder weniger völlig alleine im Wald, einsam, während die Stimmung sich immer mehr verdichtet und dreht - was für ein Horrorszenario.

[Das Cover untermalt diese Stimmung perfekt: der riesengroße, abgeschiedene Fire-Tower mitten im Wald vor schroffen Felsen; unwirtlich, einsam, ausgeliefert.
Dazu funkenstiebende Flammen und der krasse Kontrast in Blau - schick!]

Man wünscht sich Freunde, die ebenso wie Robin im Falle des eigenen Verschwindens nicht locker lassen, auch wenn die Polizei aufgibt.

Zudem bin ich auch hier (wie schon letzte Woche bei Marie Menke's Spielverderberin) in die Stolperfalle mit dem schönen Namen Heteronormativität gestolpert und find's super.
Egal wie mental offen oder tolerant, hat man trotzdem immer noch einseitige Erwartungshaltungen im Kopf. Und so ist denn eben der Eine keine Frau, sondern ein Mann und der Andere lässt nicht bei den Mädels nichts anbrennen, sondern bei den Jungs.
Ich hab herzlich über mich selbst gelacht. Und beim nächsten Mal ist dann ja vielleicht die Erwartungshaltung schon viel hinterfragter ;)

Ich mag Bücher, die einen dazu bringen, den eigenen Horizont zu erweitern, die ein Learning mitbringen und irgendeinen Aha-Effekt. Und wenn das, wie hier, in anderen Genres als nur dem Sach- und Fachbuch passiert, gleich noch viel mehr.

Einziger Kritikpunkt ist die sehr kleine Schrift, die auch mit Zoom noch unbequem ist und sich im PDF Reader nicht größer stellen lässt, im Print oder Ebook aber hoffentlich anders ausfallen dürfte.
Plus, dass auch hier wieder Generation Twentysomething (und jünger) im Fokus steht, wie bei überdurchschnittlich vielen vorgeschlagenen Büchern.
Eine ausgewogenere Mischung wäre noch attraktiver, um regelmäßiger auch mit den eigenen Lebensthemen in Kontakt zu kommen.
Kommende Generationen an's Lesen zu kriegen ist wichtig - den anderen die Lesefreude nicht zu verleiden auch ;))

Firewatch packt mich dennoch und macht mich neugierig, wie es ausgeht!