Thriller mit Schwächen

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mainstreamgoere Avatar

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"Firewatch" gehörte zu den Büchern, die schon vor dem Erscheinungstag in aller Munde waren. Ich habe immer wieder das Cover entdeckt und somit steigerte dies auch direkt meine Neugierde, denn die Geschichte klingt auf den ersten Blick sehr interessant, sodass das Buch direkt in meinem Warenkorb landete. Ich hatte hohe Erwartungen an die Geschichte rund um Aaron, Kian und Robin und muss gestehen, dass ich am Ende doch ein wenig enttäuscht war.

An sich ist der Schreibstil sehr angenehm und flüssig. Die Kapitel besitzen die perfekte Länge und man kann die Geschichte aus Sicht von den Protagonisten gut verfolgen. Allerdings hatte ich auch ein paar Probleme mit der Sprache. So fand ich die spicy Szenen hier tatsächlich unnötig, denn diese hat man nicht unbedingt gebraucht, dazu empfinde ich Bezeichnungen wie "mein Loch" alles andere als ansprechend. Das wirkt so, als hätte man diese Szenen auf Biegen und Brechen unterbringen wollen, was für mich nicht funktioniert hat.

Leider muss ich auch sagen, dass ich nahezu alle Figuren nicht sonderlich sympathisch fand, was sehr schade ist, da die Geschichte an sich so viel zu bieten hat. Robin ist z.B. ein Charakter, den man grundsätzlich mögen könnte, allerdings ist er so verbissen und dadurch auch phasenweise arrogant, dass es schade ist, wie er dargestellt wird. Gleiches gilt für Kian, der ebenfalls arrogant wirkt, aber gleichzeitig auch eine zerbrechliche Seite von sich zeigt, die oft nicht zu seinen Handlungen passt.

Auch das Ende war für mich leider zu vorhersehbar, denn ich habe bereits im ersten Drittel gewusst, worauf die Geschichte letztendlich hinauslaufen wird. Das ist sicherlich schade, weil ich somit nicht mehr überrascht werden konnte, aber ich bin der Meinung, dass viele andere Leser*innen die Auflösung dagegen sehr gut finden werden.

Obwohl das alles erstmal sehr kritisch klingt, muss ich sagen, dass "Firewatch" mich dennoch auch auf seine eigene Art und Weise faszinieren konnte, denn ich bin nur so durch die Seiten geflogen und wollte mehr von der Atmosphäre im Nationalpark spüren, aber auch Robin bei seiner Suche nach Antworten, was letztendlich mit seinem besten Freund Aaron passiert ist, begleiten.

Kurz gesagt: Obwohl ich teilweise von "Firewatch" enttäuscht bin, kann ich diesem Thriller nicht eine gewisse Faszination absprechen, denn man bekommt hier viele Blickwinkel rund um Aarons Verschwinden und eine Auflösung, die zwar nicht ganz unüberraschend daher kommt, aber dennoch Sinn macht. Wer keine harten Thriller mag, sollte diesem Buch definitiv eine Chance geben.