Eine Leseprobe wie ein Theatherstück
Zuerst: so etwas in dieser Machart habe ich noch nie gelesen, eher im Theater oder im Kino gesehen. Damit meine ich den auktorial Erzählenden, der uns von Seite 1 fest an die Hand nimmt und bestimmt, leicht drängend und dennoch umfassend über die Szene am Bahnsteig mit den Personen berichtet. Und genügend Andeutungen macht, dass die Spannung quasi sofort hochschießt. Dabei finden sich trotz aller Dramatik auch viele schwarzhumorige Kommentare (Beerdigung der Schwiegertochter- ein Schritt in die richtige Richtung) und feinfühlige Wahrnehmungen (Gedankenblitze von überforderten Müttern ohne Realwunsch dahinter). Man weiß, dass mindestens 3 namentlich genannte Menschen sich kennen, irgendwie verbunden sind und gerade auf den Schienen stehen… eine gar nicht traute Familie. Der Rest wird sich zeigen, hoffentlich auch für mich, die gerade in einem Zug sitzt und Bücher für eine Leserunde sucht (ich musste sehr lachen bei dieser Szene am Bahnhof) und nächste Woche nach London fährt… Ich sehe die Victoria Station jetzt schon mit anderen Augen! Ein toller Start!