Am Bahnsteig
Fünf Menschen treffen mehr oder weniger zufällig auf einem Bahnsteig aufeinander und eine/r von ihnen wird in den nächsten Minuten sterben. Die Leser/innen begleiten diese fünf Menschen nicht nur in diesen Minuten, sondern es wird zu jeder Person in Rückblicken ihre Lebensgeschichte erzählt. Und man begreift, warum sie so geworden sind. Jeder Mensch hat eine Vorgeschichte, die ihn prägt, das wird hier besonders deutlich.
Weitere Personen verfolgen die Ereignisse auf dem Bahnhof, werden allerdings namentlich nicht erwähnt. Ich vermute, damit soll verdeutlicht werden, dass sie lediglich als Staffage dienen, um die Situation lebendiger zu gestalten. Von ihnen erfahren wir wenig, nur wie sich gerade ihre jetzige Lebenssituation darstellt. Alle Beteiligten werden nicht besonders sympathisch dargestellt, so dass es mir als Leserin egal war, wer am Ende sterben wird.
Ilona Bannister hat einen flüssigen Schreibstil, der mich von der ersten Seite an fasziniert hat. Besonders gut gefallen hat mir ihr trockener Humor und ihre Art immer wieder die Leser/innen direkt anzusprechen. Zwischen den eindringlich erzählten Lebensgeschichten kehrt Ilona Bannister zu den Ereignissen am Bahnsteig zurück, und es ergeben sich immer wieder neue Situationen, in denen man glaubt zu wissen, wer am Ende nicht überleben wird.
Weiter ist mir positiv aufgefallen, dass die Autorin in ihrem Nachwort über ihre Recherche zu den verschiedenen Traumata berichtet und hierzu auf Fachliteratur verweist. Lustig fand ich, dass sie sich ausführlich mit der Pünktlichkeit der britischen Bahn beschäftigt hat und das nicht nur im Internet, sondern auch, indem sie viele Bahnreisen unternommen und auf vielen Bahnsteigen gestanden hat. Ob sie dadurch auf die Idee zu diesem Buch gekommen ist, verrät sie leider nicht.
Alles in allem ein ganz besonderes Lese-Erlebnis, dass nicht so schnell vergessen wird. Ich hoffe sehr auf weitere interessante Romane von Ilona Bannister.