Chronologie eines Dramas

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murksy Avatar

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Fünf Menschen an einem Bahnsteig, einer davon wird in wenigen Minuten sterben. Mehr muss man zum Inhalt gar nicht sagen. Jetzt beginnt im Kopf sofort das Rätseln. Wie wird der Mensch sterben? Kennen sich die fünf Personen? Gibt es sogar ein Verbrechen?
Das Geschehen am Bahnsteig wird in Echtzeit geschildert. Dazwischen werden die Hauptdarsteller in längeren Kapiteln vorgestellt. Man erfährt, welche Probleme und Sorgen sie haben, warum sie auf dem Bahnsteig sind. Die Autorin erstellt dabei detaillierte, teilweise schmerzende Psychogramme, die im Leser einen erschreckenden Prozess auslösen. Unbewusst erstellt man eine Liste: wer soll auf keinen Fall sterben. Oder gibt es sogar eine Person, der man den Tod wünschen würde, müsste man eine Entscheidung treffen? Das ist raffiniert und tiefsinnig. Nicht alles was auf den ersten Blick offensichtlich scheint, ist so. Sympathien werden verteilt, ändern sich, der Leser fällt Urteile, ob gerechtfertigt oder nicht. Schonungslos werden die Schwächen und persönlichen Dämonen der Figuren offengelegt und man fragt sich, wie man selber in so einer Lebenssituation handeln würde.
Zwischen diesen Kapiteln springt das Geschehen immer wieder auf den Fahrplan und die Situation am Bahnsteig. Mit jeder Minute ändert sich das Bild und der Leser verfolgt wie in einem Film die wachsende Dramatik bis zur Auflösung des Buches, das ich weniger als Thriller sehe, sondern eben eher als eine psychologische Studie der Personen, einer Verknüpfung fataler Umstände zu einem packenden Drama. Tatsächlich ein Buch, das ich in einem Zug, man verzeihe das Wortspiel, durchgelesen habe.