Der Tod wartet am Bahnsteig

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Es ist 7.01 Uhr an einem Vorortbahnhof von London. Dort warten gerade Emma und ihr sechsjähriger Sohn Gideon auf den Zug. Auch Geschäftsmann Liam, Mitte 50, steht am Bahnsteig. Und dann wären da noch Matilda Worth (77), zweifache Großmutter und Forensikerin im Ruhestand, und Sonny Bell (27), ein verschuldeter Glücksspielsüchtiger. Eine der fünf Personen wird in wenigen Minuten sterben…

„Five - Das Ticken der Zeit“ ist ein Spannungsroman von Ilona Bannister.

Der Roman besteht aus zwei Erzählsträngen. Der gegenwärtige Strang spielt sich am Bahnsteig ab, überschrieben mit der jeweiligen Uhrzeit und beginnend um 7.01 Uhr. Die zweite Erzählebene widmet sich in einzelnen Kapiteln jeweils einer der fünf Hauptfiguren und beleuchtet die entsprechende Lebensgeschichte.

Die fünf Charaktere haben allesamt größere Dramen hinter sich. Die Schicksale der Figuren wirken übertrieben heftig und damit unglaubwürdig. Zudem werden mehrere Personen im Roman stereotyp und schablonenhaft dargestellt. Daher ging für mich das Konzept, mich emotional involviert zu fühlen, überhaupt nicht auf. Den Figuren, auch den Hauptcharakteren, gegenüber blieb ich komplett gleichgültig. Die Absicht, dass man einer Person den Tod wünscht, hat somit leider bei mir nicht funktioniert.

Versprochen wird der Leserschaft im ersten Kapitel und in der Vermarktung des Buches, dass einer der fünf Protagonisten in fünf Minuten tot sein wird. Tatsächlich stirbt eine der fünf Figuren. Allerdings müssen wir aufgrund eines billigen Tricks mehr als die angekündigten fünf Minuten auf den Todesfall warten, dessen Auflösung für mich nur bedingt schlüssig ist.

Auch an anderen Stellen habe ich mich auf den rund 300 Seiten als Leserin nicht ernst genommen, sondern sogar bevormundet gefühlt. Dass die Autorin die Agenda verfolgt, neurodivergente Menschen als besonders talentiert darzustellen, ist das Eine. Dass sie jedoch gleichzeitig neurotypische Kinder, Mehrgewichtige und andere Leute abwertet, ist mir übel aufgestoßen. Darüber hinaus gibt es immer wieder zweifelhafte Sätze im Text wie der, dass Söhne angeblich stärker um ihre Mütter trauern als Töchter.

Ebenso wie das originelle Konzept wirkt der Schreibstil einzigartig. Den übergriffigen Ton der Erzählstimme, die oft direkt die Leser anspricht, habe ich aber als unangemessen empfunden.

Zwar erscheint der Roman mehr als eine Charakterstudie denn als Thriller, da sich die Spannung immer nur kurz aufbaut. Dennoch ist er größtenteils kurzweilig und unterhaltsam.

Der Titel passt sehr gut zur Geschichte. Nur die optische Umsetzung ergibt wenig Sinn. Die abgebildete Uhrzeit hat nichts mit der Handlung zu tun. Auch die in den Innenklappen dargestellten Menschen weisen kaum äußerliche Ähnlichkeiten mit den Protagonisten auf.

Mein Fazit:
„Five - Das Ticken der Zeit“ von Ilona Bannister ist ein ungewöhnlicher Roman mit einem kreativen und vielversprechenden Ansatz. Leider hat mich die Umsetzung in mehreren Aspekten enttäuscht.