Du und ich

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azyria_sun Avatar

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Worum geht’s?
U-Bahn-Station in London. Zwischen all den Wartenden stehen fünf Menschen. Fünf Menschen, von denen einer in wenigen Minuten sterben wird. Noch sind sie dir völlig fremd. Doch wen würdest du retten? Wer hat es verdient zu leben? Und darf man darüber überhaupt urteilen?

Meine Meinung:
Der Roman „Five – Das Ticken der Zeit“ von Ilona Bannister ist ein unglaublich intensives und erschreckendes Gedankenexperiment, das eindrucksvoll zeigt, wie sehr unsere Gefühle, Sympathien und Vorurteile unsere Hoffnungen, Wünsche und Entscheidungen beeinflussen. Besonders begeistert hat mich der Schreibstil der Autorin. Immer wieder spricht sie uns als Leser direkt an, hält uns den Lauf der Zeit vor Augen, konfrontiert uns mit unseren eigenen Gedanken und macht uns damit zu einem Teil dieses beklemmenden Szenarios.

Wir lernen fünf Menschen kennen. Anfangs wissen wir lediglich, dass einer von ihnen sterben wird. Mehr nicht. Doch mit jeder Seite führt uns die Autorin tiefer in ihre Leben hinein. Während der Zug unaufhaltsam näherkommt und sich die Ereignisse auf Gleis und Bahnsteig immer weiter zuspitzen, wächst die Anspannung von Kapitel zu Kapitel. Alles steuert auf diesen einen Moment zu, während um die Figuren herum das Chaos immer größer wird.

Dazwischen erhalten wir immer wieder Einblicke in die Leben der einzelnen Personen: Emma und Gideon. Liam. Mrs. Worth. Sonny. Und begegnen wir Figuren wie dem Medizinstudenten oder dem Mann mit den Rückenproblemen. Menschen, die genauso bezeichnet werden, wie wir Fremde auf einem Bahnsteig wohl selbst beschreiben würden.

Besonders beeindruckt haben mich die Lebensgeschichten der Protagonisten. Hinter jedem von ihnen verbirgt sich weit mehr, als der erste Eindruck vermuten lässt. Vor allem die Vergangenheit von Mrs. Worth hat mich tief bewegt. Aber auch die Schicksale der anderen Figuren waren intensiv, berührend und erschreckend zugleich. Ich hätte nie erwartet, dass gerade diese Rückblicke mich so fesseln würden. Sie waren emotional, voller Tiefe und haben jede einzelne Figur zu einem echten Menschen werden lassen.

Ich wusste ehrlich gesagt nicht, was mich bei diesem Buch erwartet. Aber ganz sicher nicht diese unglaublich intensive Wartezeit auf einen Zug. Das Buch zeigt eindrucksvoll, dass hinter den gewöhnlichsten Menschen oft die außergewöhnlichsten Geschichten verborgen liegen. Es hat mich fasziniert, berührt und zum Nachdenken gebracht. Würde ich einem dieser Menschen eher den Tod wünschen als einem anderen? Nein. Ich hätte mir gewünscht, dass sie alle überleben. Ganz gleich, ob sympathisch oder unsympathisch. Denn jeder von ihnen hatte seine guten und schlechten Seiten.

Ja, dieses Buch ist anders. Es geht unter die Haut. Es ist ein Pageturner, der auf eindringliche Weise zeigt, wozu Menschen fähig sind, im Guten wie im Schlechten, und wie schnell wir über andere urteilen, obwohl wir ihre Geschichte gar nicht kennen. Mich hat dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Am liebsten hätte ich noch viel mehr über die Menschen, ihre Gedanken und die Ereignisse an diesem Bahnsteig gelesen.

Fazit:
„Five – Das Ticken der Zeit“ von Ilona Bannister hat mich vollkommen überrascht. Ich habe einen spannenden Roman erwartet und ein intensives, emotionales Gedankenexperiment bekommen, das mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat. Die Autorin schafft es, gewöhnliche Menschen zu außergewöhnlichen Figuren zu machen und dabei Fragen aufzuwerfen, auf die es vielleicht gar keine richtige Antwort gibt. Ein Buch, das unter die Haut geht, lange nachhallt und mich noch lange beschäftigt hat. Für mich eine ganz klare Leseempfehlung.

5 fesselnde Sterne von mir.