Eigenwillige Story

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FIVE – schon die Aufmachung ist nicht zu übersehen und auch die Beschreibung, was es denn mit dem Ticken der Zeit auf sich hat, wer denn nun von diesen fünf Fremden, die sich auf dem Bahnsteig befinden, die nächsten Minuten nicht überleben wird, weckt unbändige Lust auf diesen Thriller.

Zunächst erfahre ich, dass hier schon andere gestorben sind, das Schicksal von vier Menschen wird kurz angerissen. Nun, dass es auf einem Bahnsteig nicht ganz ungefährlich ist, dürfte jedem klar sein und bald werden wir Zeugen von dramatischen Begebenheiten, die sich hier – wir sind in London in der Victoria Station - ganz unabhängig voneinander ereignen.

Momentan zeigt die Bahnhofsuhr 7:01 Uhr, der Zug müsste planmäßig in fünf Minuten einfahren, Abfahrt wäre dann 7:06 Uhr. Dies ist die Ausgangssituation, danach allerdings überschlagen sich die Ereignisse.

Der sehr nüchterne Erzählstil lässt keine Nähe aufkommen. Nicht zu den einzelnen Personen und auch nicht zu dieser total abgefahrenen Story. Neben den fünf Menschen, denen jeweils ein Kapitel gewidmet ist, in denen ihr Leben und die damit verbundenen Umstände näher durchleuchtet werden, sind da noch mehrere namentlich nicht Genannte, welche als „Rückenproblem“ oder ähnlich absonderlichen Umschreibungen ihrer selbst bezeichnet werden.

Emma, Gideon, Liam, Mrs Worth und Sonny sind die fünf Menschen, von denen wir zwischen den Blicken auf die Anzeigetafel mit allen nötigen Infos so einiges erfahren. Mehr noch, würde ich sagen, wir dringen ungehindert in deren Privatsphäre ein und lassen dabei sehr negative Bilder entstehen. Einer davon wird nach diesen fünf Minuten tot sein. Aber wer? Diese Frage drängt sich unweigerlich auf, dem Verhalten nach könnte es durchaus jeden treffen.

Mir waren diese Einzelbeschreibungen um die fünf Protagonisten zu sehr in die Länge gezogen, zudem sind es durchweg schwierige, ja unmögliche Charaktere. Dementsprechend war ich erleichtert, wieder ein Kapitel abhaken zu können. Was mich dann doch versöhnt hat, waren die ausführlichen Anmerkungen zum Schluss zu jedem einzelnen Charakter und auch zu den Szenen am Bahnhof.

Das Buch ist sehr eigenwillig. Ein psychologischer Thriller, der viele Themen verarbeitet wie Spielsucht, posttraumatische Belastungsstörung bei Kriegsveteranen und auch geht es um Menschen mit ganz eigenen Behinderungen, die hier näher durchleuchtet werden, um nur einiges herauszugreifen.

Ein Thriller, der mich nicht durchgehend im Buch gehalten hat, den ich mehrmals zur Seite legen musste, dann aber doch neugierig auf diese eine Person war, die das Drama nicht überlebt.