Ein außergewöhnlicher Spannungsroman

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lilli333 Avatar

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Tu dir einen Gefallen: Lies nicht den Klappentext oder eine sonstige Beschreibung des Buches. Darin wird die Handlung nicht ganz korrekt dargestellt. Somit werden falsche Erwartungen geschürt. Es handelt sich bei diesem Buch nicht um einen Thriller im herkömmlichen Sinn, sondern um einen Roman, was vom Verlag auch so angegeben wird.

Worum geht es? Es ist 7:01 Uhr an einem Bahnsteig in der Londoner U-Bahn. In fünf Minuten soll der Zug einfahren und dann wird jemand sterben, eine von fünf Personen, die wir bis dahin näher kennenlernen werden. Ein allwissender Erzähler beobachtet die Vorgänge am Bahngleis und berichtet uns davon. Die Lesenden werden dabei direkt angesprochen. Nach kurzer Zeit wird dieser Bericht unterbrochen und wir tauchen stattdessen in das bisherige Leben von Emma ein, einer stark überforderten Mutter, die mit ihrem sechsjährigen Sohn Gideon am Bahnhof ist. Danach läuft wieder die Handlung am Bahnsteig weiter, die von Minute zu Minute, ja von Sekunde zu Sekunde dramatischer und spannender wird. In weiteren Einschüben lernen wir den Geschäftsmann Liam kennen sowie die Wissenschaftlerin Mrs Worth und den spielsüchtigen Sonny. Sie alle haben ihre Leidensgeschichten im Gepäck, sie alle sind nicht wirklich sympathisch und trotzdem wünscht man niemandem, dass er/sie der Mensch sein soll, der in wenigen Minuten sterben muss. Oder doch?

Die Autorin, Ilona Bannister, versteht es, die Lesenden zu manipulieren, indem sie sie nur an ausgewählten Details aus dem Leben der Protas teilhaben lässt und ihre Gefühle damit in eine bestimmte Richtung drängt. Man muss einiges zwischen den Zeilen lesen. Wie man die verschiedenen Personen sieht, hängt sicherlich auch mit den eigenen Erfahrungen zusammen.

Obwohl man immer wieder persönlich angesprochen wird, empfand ich den Schreibstil als seltsam distanziert, was mich ein klein wenig gestört hat. Manches war mir auch zu plakativ dargestellt. Eine tiefgründigere Betrachtung wäre an manchen Stellen schön gewesen. Das Konzept des Buches fand ich aber auf jeden Fall sehr gelungen. Es ist außergewöhnlich und hat mich unweigerlich zum Nachdenken angeregt. Gleichzeitig hat es mich auch sehr gut unterhalten und mir ein paar spannende Lesestunden beschert.