Ein bisschen wie Leute beobachten im Cafe?

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verhei Avatar

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Ein Bahnsteig in einem Londoner Vorort am Morgen eines Werktages. Mehrere Personen warten auf einen einfahrenden Zug. Emma, Mutter des unbändigbaren Gideon, die mit der Mutterrolle hadert. Geschäftsmann Liam, am Weg zu einem Investorentermin, der mit Emma in Streit gerät. Mrs. Worth auf den Weg zum Begräbnis ihrer verhassten Schwiegertochter. Der junge Sonny, der Spielschulden hat. Und der Leser weiß nur eines – in fünf Minuten wird jemand sterben.

Der Klappentext lässt eine spannende Idee vermuten und auch die Erzählweise ist anders. Der Erzähler spricht den Leser direkt an, anstatt die Figuren selbst erzählen zu lassen. Wie ein Direktor orchestriert er die Beobachtungen, stellt leichte Ausblicke in die Zukunft und die Verbindungen der Personen an. Der Einstieg in das Buch erfolgt mit der Echtzeitbetrachtung des Bahnsteigs um 7:01, dem folgen weitere. Unterbrochen wird der Rhythmus durch einzelne Kapitel zu den jeweiligen Personen am Bahnsteig – Emma, Liam, Mrs. Worth, Sonny und Gideon. Jeweils mit einem Rückblick, um die Personen besser zu verstehen.

Man wird vom allwissenden Erzähler regelrecht durch das die Geschichte geführt und jede Beobachtung von ihm erklärt. Der Ton etwas spöttisch und ohne Mitleid. Er legt dem Leser eine Interpretation und Vermutung vor und erhöht die Spannung dadurch, dass er ihm gleichzeitig vor Augen führt, wo auf der Zeitachse die Geschichte sich derzeit befindet. Gegen Ende des Buches wird diese Erzählweise allerdings sehr eigen.

Gelungen ist die Sprache: Typischer trockener britischer Humor kommt nicht zu kurz. Die Kapitel über die einzelnen Personen, sind teils aus Sicht dieser geschildert und erlauben im Gegenzug die Person unvoreingenommener zu sehen und besser zu verstehen. Für den Spannungsbogen war dieser konstante Wechsel zwischen Bahnhofsszenen und Personenkapiteln allerdings etwas abträglich.

Zu Beginn kommt einem kaum ein Charakter sympathisch vor, alle tragen etwas unsympathische Züge – Narzissmus, Spielsucht, Hass auf Verwandte. Doch man taucht durch die Rückblenden tiefer in deren Schicksal ein und gewinnt so manch einen auch lieb.

Definitiv eine spannende Idee mit einem interessanten Erzählstil, den ich so noch nicht kannte.