Erzählen in Stopmotion
Zeit zu erzählen ist eine große Kunst. Umberto Eco hat in seiner Nachschrift zum "Namen der Rose" davon erzählt, wie er Dialoge und Ereignisse mit einem Blick auf die Uhr timet. "Five" möchte Ähnliches, dehnt aber die Zeit wie ein Stopmotion-Film, um seine Leser ganz langsam durch all die vielen Dinge zu führen, die bspw. in 27 Sekunden zwischen wenigen Menschen ablaufen. Das braucht dann eben eine Erzählung von fünf Seiten. Fünf Minuten ist die Spanne, nach der eine der Personen sterben wird, teilt die Erzählerin mit. Das kann funktionieren, tut es in diesem konkreten Fall allerdings nicht. Die Autorin hält den Spannungsbogen nicht, sondern schiebt jeweils eine kurze Lebensgeschichte der Protagonisten als Rückblenden ein, die diese in eine beinahe ausweglose Situation gebracht hat. Das liest sich interessant, bremst das Tempo und macht die eigentliche Absicht obsolet. Am Ende ist es nicht das Buch, das es hätte sein können (sollen?), aber immer noch lesenswert.