Fünf Menschen, wenige Minuten und die Frage, wie gut wir andere wirklich kennen
Das Cover hat mich direkt angesprochen. Das kräftige Gelb, die große schwarze Schrift und der rote Sekundenzeiger sind ziemlich auffällig und passen hervorragend zum Buch. Schon optisch wird klar: Hier geht es um Zeitdruck. Die Gestaltung ist nicht verspielt, sondern reduziert und ein bisschen unangenehm – im positiven Sinne. Genau diese Unruhe findet sich auch in der Geschichte wieder.
Die Ausgangsidee von FIVE – Das Ticken der Zeit ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Auf einem Londoner Bahnsteig warten fünf Menschen auf einen Zug, und als Leser*in weiß man von Beginn an, dass innerhalb weniger Minuten einer von ihnen sterben wird. Statt daraus einen klassischen Thriller mit Ermittlungen oder Verfolgungsjagden zu machen, konzentriert sich Ilona Bannister auf die Menschen, ihre Vorgeschichten und vor allem darauf, wie schnell wir uns ein Urteil über andere bilden.
Genau das hat mir an dem Buch am besten gefallen. Beim Lesen verändert sich der Blick auf die Figuren immer wieder. Menschen, die mir zunächst unsympathisch waren, konnte ich später besser verstehen – ohne deshalb automatisch alles gutzuheißen, was sie tun. Gleichzeitig ertappt man sich dabei, die Figuren gegeneinander abzuwägen. Wer hat mein Mitgefühl? Wem traue ich etwas zu? Und warum eigentlich? Dadurch wird das Buch stellenweise fast zu einem kleinen Test der eigenen Vorurteile.
Der Schreibstil ist direkt, schnell und teilweise ziemlich bissig. Besonders ungewöhnlich fand ich, dass die Leser*innen immer wieder unmittelbar angesprochen werden. Das funktioniert meistens sehr gut, weil man sich der Geschichte kaum entziehen kann. An einzelnen Stellen war mir dieses Stilmittel allerdings etwas zu deutlich eingesetzt. Auch manche Lebensgeschichte wirkt bewusst zugespitzt. Trotzdem bleiben die Figuren für mich interessant, gerade weil sie nicht darauf angelegt sind, unbedingt sympathisch zu sein.
Interessant finde ich außerdem, dass Bannister selbst Erfahrungen mit unterschiedlichen Formen des „Andersseins“ und Nicht-Dazugehörens in ihre Arbeit einfließen lässt. Die in New York aufgewachsene Autorin lebt seit vielen Jahren in Großbritannien und beschäftigt sich auch in ihren anderen Romanen mit Zugehörigkeit und gesellschaftlichen Zuschreibungen.
Mein Fazit: FIVE ist für mich weniger ein klassischer Thriller als ein psychologisches Gedankenexperiment mit ordentlich Spannung. Wer ungewöhnliche Erzählformen, moralische Grauzonen und Figuren mag, über die man auch nach dem Lesen noch nachdenkt, dürfte hier viel Spaß haben. Ich würde das Buch besonders Leser*innen empfehlen, die Thriller mögen, aber nicht unbedingt Blut, Gewalt und permanente Action brauchen.
Die Ausgangsidee von FIVE – Das Ticken der Zeit ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Auf einem Londoner Bahnsteig warten fünf Menschen auf einen Zug, und als Leser*in weiß man von Beginn an, dass innerhalb weniger Minuten einer von ihnen sterben wird. Statt daraus einen klassischen Thriller mit Ermittlungen oder Verfolgungsjagden zu machen, konzentriert sich Ilona Bannister auf die Menschen, ihre Vorgeschichten und vor allem darauf, wie schnell wir uns ein Urteil über andere bilden.
Genau das hat mir an dem Buch am besten gefallen. Beim Lesen verändert sich der Blick auf die Figuren immer wieder. Menschen, die mir zunächst unsympathisch waren, konnte ich später besser verstehen – ohne deshalb automatisch alles gutzuheißen, was sie tun. Gleichzeitig ertappt man sich dabei, die Figuren gegeneinander abzuwägen. Wer hat mein Mitgefühl? Wem traue ich etwas zu? Und warum eigentlich? Dadurch wird das Buch stellenweise fast zu einem kleinen Test der eigenen Vorurteile.
Der Schreibstil ist direkt, schnell und teilweise ziemlich bissig. Besonders ungewöhnlich fand ich, dass die Leser*innen immer wieder unmittelbar angesprochen werden. Das funktioniert meistens sehr gut, weil man sich der Geschichte kaum entziehen kann. An einzelnen Stellen war mir dieses Stilmittel allerdings etwas zu deutlich eingesetzt. Auch manche Lebensgeschichte wirkt bewusst zugespitzt. Trotzdem bleiben die Figuren für mich interessant, gerade weil sie nicht darauf angelegt sind, unbedingt sympathisch zu sein.
Interessant finde ich außerdem, dass Bannister selbst Erfahrungen mit unterschiedlichen Formen des „Andersseins“ und Nicht-Dazugehörens in ihre Arbeit einfließen lässt. Die in New York aufgewachsene Autorin lebt seit vielen Jahren in Großbritannien und beschäftigt sich auch in ihren anderen Romanen mit Zugehörigkeit und gesellschaftlichen Zuschreibungen.
Mein Fazit: FIVE ist für mich weniger ein klassischer Thriller als ein psychologisches Gedankenexperiment mit ordentlich Spannung. Wer ungewöhnliche Erzählformen, moralische Grauzonen und Figuren mag, über die man auch nach dem Lesen noch nachdenkt, dürfte hier viel Spaß haben. Ich würde das Buch besonders Leser*innen empfehlen, die Thriller mögen, aber nicht unbedingt Blut, Gewalt und permanente Action brauchen.