Fünf Minuten, fünf Schicksale und die entscheidende Frage: Wer stirbt?

Voller Stern Voller Stern Voller Stern Voller Stern Leerer Stern
sidis-bib Avatar

Von

In „FIVE“ wissen wir als Leser nur eines: In fünf Minuten wird eine der fünf Hauptpersonen des Buches sterben. Doch warum? Spannend, berührend, einfach anders.

Um was geht es?
Ein Vorortbahnhof an einem ganz gewöhnlichen Werktag. Zahlreiche Personen warten auf den in fünf Minuten eintreffenden Zug, der sie nach London bringen soll: zu Terminen, zur Arbeit oder wo auch immer hin. Darunter befinden sich auch unsere fünf Hauptpersonen: die Mutter Emma mit ihrem Kind Gideon, der Geschäftsmann Liam, der ehemalige Arzt Sonny und die Rentnerin Mrs. Worth. Einer von ihnen wird in fünf Minuten sterben. Doch warum? Es entspannt sich eine Geschichte über die einzelnen Schicksale, die unsere ersten Eindrücke zu den Hauptpersonen auf eine harte Probe stellt.

Das Buch wird aus der Perspektive der oben genannten fünf Hauptpersonen erzählt. Alle wirken auf den Leser auf den ersten Blick mehr als unsympathisch. Doch im Verlauf der fünf Minuten, bis der Zug eintrifft, werden die einzelnen Personen näher beleuchtet. Wir erfahren mehr über ihr Leben, ihre Kindheit und Jugend und über die Schicksalsschläge, die sie zu den Menschen gemacht haben, die sie heute sind. So verschieben sich die ersten Eindrücke bzw. Vorurteile des Lesers. Man erkennt, dass meist mehr unter der Oberfläche steckt als man glaubt. Gleichzeitig hofft man, dass der eine oder andere Charakter nicht in fünf Minuten sterben wird.

Das Buch weist einen besonderen Schreibstil und Aufbau auf. Wir haben kurze Kapitel am Bahnsteig, die wie ein Countdown die Zeit bis zum Tod eines Protagonisten herunterzählen. Diese stecken voller Dramatik und Action. Unterbrochen werden sie durch fünf längere Abschnitte, die sich nacheinander jeweils einem der Hauptcharaktere und seiner Lebensgeschichte widmen. Wir erleben schöne und traurige Momente mit den Protagonisten, fiebern mit, sind berührt, geschockt, entsetzt und voller Mitleid. Mittendrin ein Erzähler, der versucht, die Gefühle des Lesers in Worte zu fassen. Mal empfindet man ähnlich, mal nicht. All das regt zum Nachdenken an, hat mich als Leser nachhaltig beschäftigt. Ich persönlich mochte diese Struktur und den ungewöhnlichen Schreibstil sehr, kann mir aber gut vorstellen, dass der eine oder andere Leser davon abgeschreckt ist.

Fazit:
FIVE ist eine wunderbare Erzählung, die über die Schilderung der Lebensgeschichten unserer Hauptcharaktere eine andere, subtilere Art der Spannung erzeugt. Gleichzeitig zeigt uns die Geschichte, wie schnell wir selbst in Schubladen denken. Doch oft befinden sich hinter einer nach außen gezeigten Fassade tragische Schicksale. Das und die Rolle der Mütter der Hauptcharaktere bestimmen den Kern der Geschichte. Das Buch ist anders: Der Höhepunkt ist von Anfang an bekannt, und trotzdem entfaltet die Geschichte eine enorme Sogwirkung. Nichtsdestotrotz empfehle ich jedem, zunächst eine Leseprobe zu lesen. Ich mochte die Erzählart sehr gerne, da ich sie erfrischend anders empfand. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass diese nicht jedermanns Geschmack ist.