Lässt nach einem tollen Anfang leider stark nach

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simonef Avatar

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Ein Bahnsteig, fünf Minuten bis zur Einfuhr des Zuges, fünf Menschen, die auf ihn warten. Und einer wird die Ankunft des Zuges nicht überleben. Das Setting hat mich sofort angesprochen – ein ganzer Roman über fünf Minuten, voller Spannung und Nervenkitzel, so meine Erwartungen, auch nach der Leseprobe. Leider haben sich diese so nicht erfüllt.

Der typisch britische Humor, der auf den ersten Seiten noch durchblitzt, kommt im Rest des Buches nur noch selten zur Geltung. Das Geschehen am Bahnsteig ist eher Nebensache, das Buch dreht sich im Wesentlichen um die Lebensgeschichten der fünf Personen, präsentiert von einer allwissenden Erzählstimme, die die Leserinnen und Leser immer wieder direkt anspricht. Ihren Tonfall empfand ich dabei als sehr anmaßend, sagte sie mir doch immer wieder was ich jetzt denken oder fühlen würde. Damit lag sie allerdings meist komplett daneben. Ebenfalls störend fand ich, dass sie sehr herablassend und wenig wohlwollend auf die meisten Personen, egal ob Haupt- oder Nebenfiguren, blickte und simple Stereotype bediente. Nicht-neurodivergente Kinder wurden als „stumpfe, gehorsame Kinder“ und Ähnliches verunglimpft, wer tollpatschig, konfus oder unsympathisch rüberkommen sollte, hatte auch einen „schwabbeligen“ Körper oder wurde mit anderen Worten als füllig dargestellt. Dass im Jahr 2026 noch kolportiert wird, es gäbe Entsprechungen zwischen Charaktereigenschaften und äußerem Erscheinungsbild, erscheint mir wirklich bedenklich.

Die Geschichten der fünf Personen waren durchaus abwechslungsreich und interessant, aber jede für sich doch stark übertrieben und wenig glaubhaft. Insgesamt konnte ich zu keinem der fünf eine Beziehung aufbauen. Abgesehen von einer Figur, die ich zumindest in ihrer Skurrilität recht erfrischend fand, war es mir bei den restlichen vieren völlig egal, wen es schließlich treffen würde.

Das Setting an sich ist außergewöhnlich, die Umsetzung hat mich leider enttäuscht. Das unversöhnlich klingende Nachwort der Autorin war auch nicht geeignet, mich für das Buch einzunehmen. Insgesamt hatte ich mir etwas völlig anderes erwartet – schade, die Idee hatte so viel Potential.