Originelle Erzählweise, starke Personenbeschreibungen
Dies ist ein Buch, das aus meinen bisherigen Lesegewohnheiten herausfällt, weil es originelle Gestaltungsmittel benutzt.
Am Anfang dachte ich: Wie will man bitteschön das Geschehen von nur 5 Minuten auf 320 Seiten strecken? Aber es klappt perfekt. Kurz gesagt geht es um fünf Leute, die am Bahnsteig auf den Zug warten, wobei von Anfang an verraten wird, dass einer von ihnen in fünf Minuten sterben wird.
Diese fünf Minuten werden durch Rückblicke und die persönlichen Perspektiven der Charaktere vertieft. Dadurch entsteht fast schon ein Psychogramm der Beteiligten. Die Autorin hat eine faszinierende Gabe, Menschen so zu beschreiben, dass man sofort ein Bild vor Augen hat. Sie schafft den Spagat, die Leute einerseits zu typisieren, aber gleichzeitig ihren individuellen Charakter zu zeigen. Durch die Vorgeschichten versteht man im Großen und Ganzen, warum dieser Mensch so geworden ist, wie er da am Gleis steht.
Es ist interessant, dass man als Leser automatisch Partei ergreift und sich fragt: Um wen wäre es am wenigsten schade, wenn er stirbt? Mit einem stilistischen Kniff spricht hier die Autorin uns Leser direkt an und mutmaßt, wen wir uns wohl als Opfer ausgesucht haben. Das zieht einen noch tiefer in die Geschichte. Man fragt sich allenfalls, ob man eigentlich das Recht zum Werten hat – aber ich kam trotzdem nicht umhin, meinen Favoriten im Ranking der Todesanwärter zu finden.
Die Hauptfiguren haben größtenteils auffällige Persönlichkeitsmerkmale – vom Narzissten über den Psychopathen bis zum ADHSler. Im Nachwort nennt die Autorin die wissenschaftlichen Quellen, die sie dafür studiert hat. Das fand ich sehr interessant, auch wenn für mich nicht jede Person perfekt der intendierten Störung entsprach.
Rund um die Fünf gruppieren sich Passanten, die oberflächlicher beschrieben sind. Die Autorin nennt einen zum Beispiel „Rückenproblem“, der sich bei dem Tumult auf dem Bahnsteig nicht entschließen kann zu helfen und sich vor der Verantwortung drückt, oder „To-do-Liste“, eine Frau, die mit Aktionismus helfen will, aber dadurch alles schlimmer macht. Diese Figuren wirken teilweise komisch und lockern das Geschehen auf. Ich habe mich beim Lesen erwischt, wie ich im Bekanntenkreis gecheckt habe, ob ich dort auch solche Typen kenne.
Als der Unfall passiert ist, gehen alle wieder ihrer Wege. Die Autorin gibt am Ende noch einen Ausblick auf die Zukunft, der zwar im Futur geschrieben ist, bei dem man aber merkt, dass es sich um eine Hypothese handeln könnte. Das Romangeschehen wirkt auf diese Weise wie ein Sozialexperiment mit einem hypothetischen Ausgang.
Fazit: Sehr interessant, spannend und auf jeden Fall ein lesenswertes Buch! Zum Teil war es mir zwar etwas zu düster, aber insgesamt absolut empfehlenswert.
Am Anfang dachte ich: Wie will man bitteschön das Geschehen von nur 5 Minuten auf 320 Seiten strecken? Aber es klappt perfekt. Kurz gesagt geht es um fünf Leute, die am Bahnsteig auf den Zug warten, wobei von Anfang an verraten wird, dass einer von ihnen in fünf Minuten sterben wird.
Diese fünf Minuten werden durch Rückblicke und die persönlichen Perspektiven der Charaktere vertieft. Dadurch entsteht fast schon ein Psychogramm der Beteiligten. Die Autorin hat eine faszinierende Gabe, Menschen so zu beschreiben, dass man sofort ein Bild vor Augen hat. Sie schafft den Spagat, die Leute einerseits zu typisieren, aber gleichzeitig ihren individuellen Charakter zu zeigen. Durch die Vorgeschichten versteht man im Großen und Ganzen, warum dieser Mensch so geworden ist, wie er da am Gleis steht.
Es ist interessant, dass man als Leser automatisch Partei ergreift und sich fragt: Um wen wäre es am wenigsten schade, wenn er stirbt? Mit einem stilistischen Kniff spricht hier die Autorin uns Leser direkt an und mutmaßt, wen wir uns wohl als Opfer ausgesucht haben. Das zieht einen noch tiefer in die Geschichte. Man fragt sich allenfalls, ob man eigentlich das Recht zum Werten hat – aber ich kam trotzdem nicht umhin, meinen Favoriten im Ranking der Todesanwärter zu finden.
Die Hauptfiguren haben größtenteils auffällige Persönlichkeitsmerkmale – vom Narzissten über den Psychopathen bis zum ADHSler. Im Nachwort nennt die Autorin die wissenschaftlichen Quellen, die sie dafür studiert hat. Das fand ich sehr interessant, auch wenn für mich nicht jede Person perfekt der intendierten Störung entsprach.
Rund um die Fünf gruppieren sich Passanten, die oberflächlicher beschrieben sind. Die Autorin nennt einen zum Beispiel „Rückenproblem“, der sich bei dem Tumult auf dem Bahnsteig nicht entschließen kann zu helfen und sich vor der Verantwortung drückt, oder „To-do-Liste“, eine Frau, die mit Aktionismus helfen will, aber dadurch alles schlimmer macht. Diese Figuren wirken teilweise komisch und lockern das Geschehen auf. Ich habe mich beim Lesen erwischt, wie ich im Bekanntenkreis gecheckt habe, ob ich dort auch solche Typen kenne.
Als der Unfall passiert ist, gehen alle wieder ihrer Wege. Die Autorin gibt am Ende noch einen Ausblick auf die Zukunft, der zwar im Futur geschrieben ist, bei dem man aber merkt, dass es sich um eine Hypothese handeln könnte. Das Romangeschehen wirkt auf diese Weise wie ein Sozialexperiment mit einem hypothetischen Ausgang.
Fazit: Sehr interessant, spannend und auf jeden Fall ein lesenswertes Buch! Zum Teil war es mir zwar etwas zu düster, aber insgesamt absolut empfehlenswert.