Originelle Idee

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europeantravelgirl Avatar

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Fünf Menschen warten am Bahnsteig auf ihren Zug.
In fünf Minuten wird einer von ihnen sterben.

Es ist eine geniale Idee, einen Thriller von 300 Seiten zu schreiben, der lediglich 5 Minuten Handlungszeit abdeckt. Immer wieder wird die Perspektive im Sekundentakt gewechselt, andere Millisekunden und die Handlungen darin in den Fokus genommen. Dieses Konzept fand ich wirklich brillant.

In der Umsetzung sind natürlich nicht ausschließlich diese 5 Minuten erzählt, sondern wir erfahren nach und nach die Biographien der 5 Menschen am Bahnsteig. Dabei wird Tragisches zu Tage befördert, aber auch Erschreckendes, und vor allem werden dadurch aus 5 Namen plötzlich 5 Menschen mit einer Geschichte und mit Motiven. Dies ermöglicht uns, auch die kleinste Interaktion zu verstehen und in einem anderen Licht zu sehen.
Allerdings liegt hier auch das Problem des Romans begraben, denn durch die zahlreichen und umfangreichen Exkurse gewinnen die Charaktere zwar enorm an Tiefe, verliert die Story gleichzeitig aber an Tempo. Inhaltlich bleibt es durchaus interessant, aber ein Spannungsbogen kann sich durch dieses Konstrukt leider nicht aufbauen. Was mich ebenfalls irritierte, war die direkte Ansprache durch den Erzähler. Ständig wurde mir angekündigt, was gleich passieren würde oder erläutert, wie ich die Lage wohl einschätze. Das empfand ich ehrlich gesagt als störend.

Ebenfalls irritierend fand ich die Innenklappe, in der Schattenrisse der 5 Personen abgebildet sind. 4 treffen erkennbar zu, aber der fünfte (Sonny) entspricht in keinster Weise der Beschreibung im Buch und für mich ist nicht nachvollziehbar, warum bei ihm so grob abgewichen wurde.

Eine originelle Idee für einen Roman, aber leider mit einigen Längen umgesetzt.