Ungewöhnlich erzählt, aber mit wenig Nervenkitzel

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Die Ausgangsidee von "Five" hat mich zunächst sofort angesprochen: Fünf Menschen befinden sich an einem Londoner Bahnhof, und von Anfang an steht fest, dass einer von ihnen in den nächsten Minuten sterben wird. Diese Ausgangslage erzeugt eine interessante Spannung, denn als Leser fragt man sich natürlich, wen es treffen wird und was die einzelnen Personen zu diesem Zeitpunkt miteinander verbindet.

Besonders gelungen fand ich den ungewöhnlichen Aufbau. Statt die Handlung einfach chronologisch zu erzählen, erhält man nach und nach Einblicke in die Vergangenheit der fünf Figuren. Dadurch lernt man ihre Geheimnisse, Fehler und persönlichen Abgründe kennen. Gleichzeitig verändert sich immer wieder der Blick auf die einzelnen Charaktere. Sympathisch waren mir allerdings nur wenige von ihnen, weshalb es mir zunehmend schwerfiel, wirklich mit ihnen mitzufühlen oder mitzufiebern.

Die Idee, den Leser selbst darüber nachdenken zu lassen, wer den Tod "verdient" und wem man das Überleben wünscht, fand ich grundsätzlich interessant. Auch Themen wie Schuld, moralische Entscheidungen und vorschnelle Urteile werden dadurch angesprochen. Allerdings hat mich diese Umsetzung nicht vollständig überzeugt. Die direkte Ansprache des Lesers war für mich eher gewöhnungsbedürftig und hat mich stellenweise aus dem Leseflow gebracht.

Auch die Spannung blieb für mich eher hinter den Erwartungen zurück. Zwar ist die Situation am Bahnhof eigentlich aufregend, doch die ausführlichen Rückblicke nehmen immer wieder das Tempo aus der Story. Dadurch konnte bei mir leider nicht die durchgehende Nervosität entstehen, die ich mir von einem Thriller mit dieser Ausgangssituation erhofft hatte.

Insgesamt ist "Five" für mich deshalb ein interessanter, aber nicht ganz überzeugender Thriller. Die Grundidee ist originell und regt durchaus zum Nachdenken an, besonders was unsere Bewertung anderer Menschen betrifft. Die ungewöhnliche Erzählweise und die fehlende emotionale Nähe zu den Figuren haben es mir jedoch schwer gemacht, vollständig in die Geschichte einzutauchen. Eine spannende Idee mit einigen starken Ansätzen, die mich letztlich aber nur teilweise erreichen konnte.