Fortsetzung der Familiengeschichte, jetzt zwischen China und England
Auf "Fliegt, wilde Schwäne" habe ich mich sehr gefreut.
Vor Jahrzehnten habe ich "Wilde Schwäne" im englischen Original gelesen und es regelrecht verschlungen. Nach den vielen Jahren kann ich mich nicht an die Details erinnern, geblieben ist mir aber die Erinnerung, dass ich damals richtig in das Buch eingetaucht bin. Ich habe mit den drei Frauen mitgelitten und mitgefiebert, habe mich für sie gefreut, war schockiert und interessiert. Und ganz nebenbei habe ich viel über Chinas Geschichte erfahren.
Zugegebenermaßen waren daher meine Erwartungen an die Fortsetzung ziemlich hoch. Und bin nach dem Lesen zwiegespalten. "Fliegt, wilde Schwäne" ist keine Biografie, kein Roman und irgendwie auch keine runde Geschichte. Es sind Anekdoten, mehr oder weniger zusammenhängend und in chronologischen Kapiteln, in denen zahlreiche Rückblicke die Chronologie wiederum unübersichtlich machen.
Das Buch beginnt mit dem Kennenlernen von Jung Changs Eltern. Es gibt also eine zeitliche Überschneidung der beiden Bücher, erst mit Jung Changs Studium in England kommt ein neuer Abschnitt. Auch im Folgenden werden immer wieder frühere Ereignisse und politische Situation rekapituliert. Dadurch ist das Buch gut nachvollziehbar, auch wenn man "Wilde Schwäne" nicht gelesen hat.
Von "Fliegt, wilde Schwäne" hatte ich erwartet zu erfahren, wie sich das Leben in China verändert hat nach 1978 - dem Jahr, in dem "Wilde Schwäne" endet. Darüber erfährt man auch Einiges. Da Jung Chang seit dieser Zeit in England lebt, geht es zunächst um die Situation der Studenten im Ausland, denen die chinesische Regierung teils groteske Regeln auferlegte. Ansonsten bewegen die Episoden sich größtenteils rund um die Besuche der Autorin in China. Die Autorin wird irgendwann britische Staatsbürgerin, genießt Reisefreiheit und wird mit "Wilde Schwäne" auch in China eine "Berühmtheit".
Interessant finde ich das Leben ihrer Mutter in dieser ganzen Zeit. Sie lebt nach wie vor in China. Wie beim Schachspiel scheint sie immer mehrere Züge im Voraus zu überdenken, wie Handlungen und Aussagen sich auswirken könnten. Ich bin beeindruckt, wie gut ihr das gelingt; sie scheint immer genau zu wissen, was sie tun muss, um sich und ihre Kinder zu schützen. Zum Beispiel begleitet sie ihre Tochter auf einer Recherchereise und lädt die Frau eines Funktionärs auf die Reise ein. Offenbar vor allem um auf diese Art sicherzugehen, dass ihnen unterwegs kein "Unfall" zustößt.
"Fliegt, wilde Schwäne" hat seine Längen und ist nicht immer sehr übersichtlich, dann wieder gibt es total interessante Abschnitte. Etwas ermüdend finde ich die vielen Beschreibungen vom Ruhm, den Jung Chang mit "Wilde Schwäne" erreicht. Auch liest sich "Fliegt, wilde Schwäne" streckenweise wie ein recht langes Making-of der Mao-Biografie, die sie mit ihrem Ehemann Jon Halliday recherchiert und verfasst. Dann wieder erfährt man anhand von Jung Changs Erlebnissen mit Geheimdienst und Visapolitik sehr eindrücklich, wie sich China erst öffnet und dann wieder strikt und verschlossen wird. Aufgrund dieser Mischung fällt mir die Bewertung des Buches schwer; ich lande bei einer guten Mitte.
Vor Jahrzehnten habe ich "Wilde Schwäne" im englischen Original gelesen und es regelrecht verschlungen. Nach den vielen Jahren kann ich mich nicht an die Details erinnern, geblieben ist mir aber die Erinnerung, dass ich damals richtig in das Buch eingetaucht bin. Ich habe mit den drei Frauen mitgelitten und mitgefiebert, habe mich für sie gefreut, war schockiert und interessiert. Und ganz nebenbei habe ich viel über Chinas Geschichte erfahren.
Zugegebenermaßen waren daher meine Erwartungen an die Fortsetzung ziemlich hoch. Und bin nach dem Lesen zwiegespalten. "Fliegt, wilde Schwäne" ist keine Biografie, kein Roman und irgendwie auch keine runde Geschichte. Es sind Anekdoten, mehr oder weniger zusammenhängend und in chronologischen Kapiteln, in denen zahlreiche Rückblicke die Chronologie wiederum unübersichtlich machen.
Das Buch beginnt mit dem Kennenlernen von Jung Changs Eltern. Es gibt also eine zeitliche Überschneidung der beiden Bücher, erst mit Jung Changs Studium in England kommt ein neuer Abschnitt. Auch im Folgenden werden immer wieder frühere Ereignisse und politische Situation rekapituliert. Dadurch ist das Buch gut nachvollziehbar, auch wenn man "Wilde Schwäne" nicht gelesen hat.
Von "Fliegt, wilde Schwäne" hatte ich erwartet zu erfahren, wie sich das Leben in China verändert hat nach 1978 - dem Jahr, in dem "Wilde Schwäne" endet. Darüber erfährt man auch Einiges. Da Jung Chang seit dieser Zeit in England lebt, geht es zunächst um die Situation der Studenten im Ausland, denen die chinesische Regierung teils groteske Regeln auferlegte. Ansonsten bewegen die Episoden sich größtenteils rund um die Besuche der Autorin in China. Die Autorin wird irgendwann britische Staatsbürgerin, genießt Reisefreiheit und wird mit "Wilde Schwäne" auch in China eine "Berühmtheit".
Interessant finde ich das Leben ihrer Mutter in dieser ganzen Zeit. Sie lebt nach wie vor in China. Wie beim Schachspiel scheint sie immer mehrere Züge im Voraus zu überdenken, wie Handlungen und Aussagen sich auswirken könnten. Ich bin beeindruckt, wie gut ihr das gelingt; sie scheint immer genau zu wissen, was sie tun muss, um sich und ihre Kinder zu schützen. Zum Beispiel begleitet sie ihre Tochter auf einer Recherchereise und lädt die Frau eines Funktionärs auf die Reise ein. Offenbar vor allem um auf diese Art sicherzugehen, dass ihnen unterwegs kein "Unfall" zustößt.
"Fliegt, wilde Schwäne" hat seine Längen und ist nicht immer sehr übersichtlich, dann wieder gibt es total interessante Abschnitte. Etwas ermüdend finde ich die vielen Beschreibungen vom Ruhm, den Jung Chang mit "Wilde Schwäne" erreicht. Auch liest sich "Fliegt, wilde Schwäne" streckenweise wie ein recht langes Making-of der Mao-Biografie, die sie mit ihrem Ehemann Jon Halliday recherchiert und verfasst. Dann wieder erfährt man anhand von Jung Changs Erlebnissen mit Geheimdienst und Visapolitik sehr eindrücklich, wie sich China erst öffnet und dann wieder strikt und verschlossen wird. Aufgrund dieser Mischung fällt mir die Bewertung des Buches schwer; ich lande bei einer guten Mitte.