Gelebte Geschichte

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rebeccawinter Avatar

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Die deutsche Ausgabe von „Fliegt. Wilde Schwäne“ der Schriftstellerin Jung Chang wurde vom Heyne Verlag als aufwendiges Hardcover mit vielen Fotos im Innenteil und einer Karte Chinas auf dem Innendeckel herausgegeben. Das Buch ist in klassischem Rot, die Farbe, die in der chinesischen Kultur Glück, Feierlichkeit und Revolution symbolisiert. Sie ist zentrales Element der Nationalflagge und steht traditionell für Schutz vor dem Bösen. Auch der Schutzumschlag ist überwiegend in Rot gehalten. Hier wurden Silhouetten fliegender Schwäne abgedruckt. Damit passt die Buchgestaltung ausgezeichnet zu dem Buchtitel und Thema. Der Name Jung Chang steht für „Wilder Schwan“ und in diesem Buch wird beschrieben, wie sie mit Hilfe ihrer Mutter das Fliegen lernte, heißt sich von der Doktrin der Mao- und Post-Mao-Zeit zu befreien und ein selbstbestimmtes Leben in Großbritannien zu führen.
Mit diesem Buch knüpft Jung Chang an ihren Welterfolg „Wilde Schwäne“ an. Ausgehend von ihrer Kindheit in der Mao-Zeit erzählt sie von ihrer Studienzeit, Einbürgerung in Großbritannien und ihrem Leben als Schriftstellerin. So spannt sich ein Erzählbogen von 1952 bis in die Jetztzeit. Man erfährt nicht nur mit welcher Sorgfalt und Genauigkeit ihre biographischen Bücher recherchiert wurden, sondern vieles über das Regime und die Menschen.
Vieles ist erschreckend und berührend in seiner Gewalttätigkeit und Menschenverachtung. Einiges zeigt aber auch, wie sehr mutige und empathische Menschen Einfluss nehmen können und zumindest kleine Verbesserungen bzw. Erleichterungen bewirken können.
Der Schreibstil ist gut lesbar, manchmal ist die Menge der Fakten etwas erdrückend.
Mich hat das Buch sehr bewegt, oft schockiert. Dabei verzichtet Jung Chang glücklicherweise auf drastische Darstellungen, aber das Leiden der Menschen vor allem unter Mao ist bereits mit dürren Fakten auffallend und belegt.
Ein sehr guter autobiografischer Roman.