Der Weg zum Frühling führt durch Dunkelheit

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piperowja Avatar

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An Floras 13. Geburtstag, dem 1. Mai, regnete es in Strömen. Ihr Vater hatte ihr Geld gegeben, und damit kaufte sie beim alten Wiggins Tinte für ihren Füllfederhalter. Mit dem intensiven Atlantis Blau wollte sie weiter Geschichten über Harriet schreiben. Dieses Mädchen mit dem feuerroten Haar hatte sie erfunden, um der traurigen Realität zu entfliehen. Zusammen mit ihrem kranken Vater lebt sie in einer baufälligen Hütte in Rye, einem kleinen Dorf an der Südküste Englands. Auf der Straße entreißt ihr ein Schulkamerad die Tintenflasche und kippt die kostbare Tinte aus. Flora kann keine Geschichten mehr schreiben und macht sich auf den Weg zu ihrem Großvater. Dieser unterstützt ihren Wunsch, den Frühling zurückzuholen.
Es ist ein langer Weg, auf dem sie von dem Kobold Grisold und dem Eichhörnchen Parzival begleitet wird. Sie überqueren einen düsteren See und durchqueren einen verdorbenen Wald, bis sie zum Palast der Maikönigin gelangen – die in Wahrheit eine Hexe ist. Nach einem ungenießbaren Mahl ziehen sich die Gefährten zum Schlafen zurück. Doch Flora erkundet heimlich den Palast und entdeckt eine Bibliothek. Dort trifft sie auf Harriet, ihre eigene Erfindung, die ihr verrät, dass die echte Maikönigin von der Hexe Ych gefangen gehalten wird. Gemeinsam brechen sie auf, die wahre Königin zu befreien und trotzen dabei zahlreichen Gefahren.
Indessen Flora wird von der Hexe dazu verurteilt, traurige Geschichten verfassen zu müssen. Inzwischen finden Harriet, Grisold und Parzival die Maikönigin auf einer sonnigen Insel, auf der Rosen blühen und Früchte reifen. Doch die düstere Macht der Hexe breitet sich immer weiter aus, und Floras Geschichten werden immer finsterer. Das Mädchen selbst verwandelt sich in eine frostige Person, die nur noch Lügen schreibt.
In 31 Kapiteln entwirft Markus Raffel eine düstere Welt, in der alle Blumen verdorren und Skelettarmeen sowie Monsterhorden Angst und Schrecken verbreiten. Ein Gestaltenwandler, auch Polymorphist genannt, ändert immer wieder seine Form. Am Ende kommt aber der Frühling zurück. Besonders gefielen mir die lebendigen, blumigen Beschreibungen, als Flora zu Beginn durch den Wald und an einem sonnigen Frühlingstag wandelte. Allerdings hat mich das ständige Keckern des Eichhörnchens etwas gestört.
Rund zwanzig Kapitel drehen sich um schwarze Nachtnelken, Finsternis, Skelette, Wüsten und dunkle Wolken. Ob das allerdings Kindern ab zehn Jahren wirklich gefällt, bleibt fraglich.
Ich empfehle das Buch all jenen, die das Magische und Düster-Mystische lieben.