Ein blutiger Auftakt in eine neue Ära der High Fantasy

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rko9010 Avatar

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Mit „Zeit des Zorns“ (Originaltitel: A Tide of Black Steel) schlägt Anthony Ryan, einer der profiliertesten Vertreter der modernen Epic Fantasy, ein neues Kapitel in seiner beeindruckenden Bibliografie auf. Die beim Klett-Cotta Verlag (Hobbit Presse) erschienene Buch entführt uns sofort in eine raue, nordisch angehauchte Welt, die keine Zeit für Sentimentalitäten lässt.
Inhalt und Atmosphäre

Das Buch beginnt mit Ruhlin, einem jungen Mann auf den Äußeren Inseln, dessen Alltag von harter Arbeit und der strengen Hand seiner Großmutter geprägt ist. Doch die vermeintliche Idylle des Morgennebels trügt: Als Schiffe mit blutroten Segeln und einem unbekannten Symbol am Horizont auftauchen, bricht das Grauen über das Dorf Buhl Hardta herein.

Ryan versteht es meisterhaft, die Spannung schleichend aufzubauen, nur um sie dann in einem erschütternden Akt der Gewalt zu entladen. Der Angriff der mysteriösen Invasoren ist kein heroisches Scharmützel, sondern ein brutales Gemetzel, das dem Leser die Schutzlosigkeit der Bewohner spürbar macht.
Der Protagonist: Ruhlin und das „Feuerblut“

Ruhlin, genannt „der Stille“, ist zunächst ein klassischer Anti-Held – flink, aber körperlich nicht zum Krieger geboren und von Selbstzweifeln geplagt. Doch im Angesicht des Todes seiner Familie geschieht etwas Unerwartetes: Ein archaischer Zorn erwacht in ihm, eine physische Transformation, die ihn in eine unaufhaltsame Kampfmaschine verwandelt. Ryans Schilderung dieser „Berserker-Wut“ ist intensiv und visuell beeindruckend. Die Bezeichnung „Vyrn Skyra“ (Feuerblut) am Ende des ersten Kapitels deutet auf ein tiefgreifendes magisches oder genetisches Erbe hin, das im Zentrum der weiteren Handlung stehen dürfte.
Stil und Weltbau

Die Sprache (hervorragend übersetzt von Sara Riffel) ist direkt und atmosphärisch dicht. Ryan nutzt Begriffe wie mahkla, Veilwald und Ascarlianer, um eine Welt zu skizzieren, die an das Wikinger-Zeitalter erinnert, aber eine ganz eigene mythologische Tiefe besitzt. Besonders stark ist die Einführung der zweiten Perspektive, Thera, einer Dienerin der Schwesterköniginnen, die einen politischen und strategischen Kontrast zur unmittelbaren Überlebensnot Ruhlins bildet.
Fazit

Anthony Ryan enttäuscht nicht. Die Buch „Zeit des Zorns“ verspricht eine düstere, komplexe Saga, die Fans von „Das Lied des Blutes“ ebenso begeistern wird wie Liebhaber von Joe Abercrombie oder George R.R. Martin. Es ist eine Geschichte über Schuld, Rache und ein uraltes Erbe, das in einer Welt voller Verrat und Stahl erwacht.

Ein Muss für alle Fantasy-Leser, die es episch, blutig und charaktergetrieben mögen!