High Fantasy mit Wikinger-Vibes

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bella0070 Avatar

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Bereits das Cover mit der roten Axt lässt erahnen, dass dieses Buch von zahlreichen Kämpfen geprägt ist, in denen es alles andere als zimperlich zugeht. Schon das erste Kapitel bestätigt diesen Eindruck und auch in den darauffolgenden Kapiteln wird unablässig gekämpft, Krieg geführt und schonungslos gemetzelt.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive der vier Hauptfiguren erzählt, jeweils in eigenen Kapiteln. Auf den ersten rund 200 Seiten verlaufen diese Handlungsstränge jedoch nahezu unabhängig voneinander. Abgesehen davon, dass sie in derselben Welt angesiedelt sind, gibt es kaum Verbindungen. Dadurch entstand bei mir zunächst der Eindruck, nicht einen zusammenhängenden Roman, sondern vier separate Geschichten zu lesen.

Hinzu kommt, dass die einzelnen Kapitel recht umfangreich sind und inhaltlich sehr dicht. Es geschieht so viel, dass ich immer wieder zurückblättern musste, weil mir nach einigen Kapiteln nicht mehr präsent war, an welchem Punkt die Handlung einer Figur zuvor geendet hatte. Einmal bemerkte ich sogar erst ca. 50 Seiten später, dass ich ein Kapitel versehentlich übersprungen habe. Die Vielzahl an Figuren, darunter einige mit ähnlichen Namen, verstärkt die Verwirrung zusätzlich.

Am Ende des Buches findet sich zwar ein Personenregister, doch leider ist es weder alphabetisch geordnet noch besonders ausführlich. Gerade bei der Vielzahl an Figuren hätte ich mir hier deutlich mehr Übersicht gewünscht. Auch die Karte des Reiches von Ascarlia zu Beginn des Buches blieb für meinen Geschmack etwas zu grob und wenig detailliert. Ein paar zusätzliche Orientierungspunkte wären hilfreich gewesen

Die Welt, die Anthony Ryan hier erschaffen hat, ist beeindruckend vielschichtig und unglaublich atmosphärisch. Beim Lesen fühlte ich mich immer wieder an nordische Sagen erinnert. Es kamen regelrechte Wikinger-Vibes auf: eine raue, kalte und von Gewalt geprägte Welt, die nichts beschönigt.
Je weiter ich im Buch vorankam, desto besser fand ich mich in dieser Welt zurecht. Sie zog mich zunehmend in ihren Bann, bis ich schließlich vollkommen in ihr versank.

Besonders begeistert haben mich auch die vier außergewöhnlichen Hauptcharaktere: Sie sind vielschichtig, glaubwürdig und deutlich voneinander abgegrenzt. Dadurch ist es mir leicht gefallen, mich in sie hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufühlen.

Das Finale hält einige unerwartete Wendungen bereit, die mich noch einmal richtig überraschen konnten. Der Schluss bleibt bewusst offen und hinterlässt mehrere lose Fäden. So hoffe ich gespannt auf eine baldige Fortsetzung.

FAZIT: Trotz eines nicht ganz einfachen Einstiegs ist dies ein vielversprechender Auftakt zu einer neuen High-Fantasy-Reihe, die definitiv Lust auf mehr macht.