Interessanter historischer Kriminalfall

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rekash93 Avatar

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Die Ausgangslage von „Four Heads Missing“ hat mich sofort neugierig gemacht: London im Jahr 1888, der Bau des neuen Hauptquartiers der Metropolitan Police und ausgerechnet in dessen Kellergewölbe wird der verstümmelte Rumpf einer Frau entdeckt. Besonders interessant ist dabei, dass Thorsten Schleif einen realen historischen Kriminalfall aufgreift und daraus einen Thriller entwickelt.

Die Verbindung von historischen Tatsachen und fiktiver Handlung ist für mich auch eine der großen Stärken des Romans. Das London des ausgehenden 19. Jahrhunderts mit seinen enormen gesellschaftlichen Gegensätzen bildet eine atmosphärische Kulisse. Man merkt dem Buch an, dass sich der Autor intensiv mit der damaligen Zeit und den realen Hintergründen der Verbrechen beschäftigt hat. Auch die ungewöhnliche Ermittlerkonstellation aus der gut vernetzten Irene Adams und dem eher wortkargen William Berger hat durchaus ihren Reiz.

Trotzdem konnte mich die Geschichte nicht durchgehend fesseln. Nach dem ausgesprochen starken und makabren Ausgangspunkt hätte ich eine kontinuierlich steigende Spannung erwartet. Stattdessen verliert sich die Handlung für meinen Geschmack zwischendurch etwas in Einzelheiten und entwickelt nicht immer das Tempo, das ich mir von einem Thriller wünsche. Einige Passagen hätte man durchaus straffen können.

Auch zu den Hauptfiguren blieb bei mir eine gewisse Distanz. Irene und William sind interessante Charaktere, aber emotional haben sie mich nicht vollständig erreicht. Gerade bei einer Geschichte mit einem derart düsteren und außergewöhnlichen Kriminalfall hätte ich mir stellenweise noch etwas mehr Intensität gewünscht.

Dennoch ist „Four Heads Missing“ keineswegs ein schlechter Roman. Wer historische Kriminalfälle, das viktorianische London und die Verbindung von True Crime und Fiktion mag, findet hier eine interessante Geschichte mit einem außergewöhnlichen Hintergrund. Meine Erwartungen an Spannung und Erzähltempo wurden allerdings nur teilweise erfüllt.

Insgesamt solide und lesenswert (3,5 Sterne).