Wenn Ermittlungsarbeit noch echte Spurensuche bedeutet …

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antjep78 Avatar

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Manchmal beendet man ein Buch, klappt es zu und weiß sofort: Das war etwas Besonderes. Genau so ging es mir mit „Four Heads Missing – Die Toten der Themse“ von Thorsten Schleif. Ich bin wirklich begeistert von diesem historischen Thriller, denn er hat mir etwas geboten, das ich in dieser Form viel zu selten lese.
Wir befinden uns im viktorianischen London des Jahres 1889. Jack the Ripper hat die Stadt bereits in Angst und Schrecken versetzt, doch plötzlich deutet alles darauf hin, dass noch ein weiterer Mörder sein Unwesen treibt. Zerstückelte Frauenleichen werden gefunden – und ausgerechnet im Keller des im Bau befindlichen neuen Scotland Yard taucht ein weiblicher Torso auf. Ein Fall, der William „Will“ Berger und Irene Adams in die dunklen Seiten Londons führt.
Schon die Ausgangslage hat mich unglaublich gereizt. Ich lese sehr viele Thriller und Kriminalromane, aber diese Geschichte fühlte sich für mich tatsächlich anders an. Denn im viktorianischen Zeitalter standen den Ermittlern all die technischen Möglichkeiten, die wir aus heutigen Krimis kennen, noch nicht zur Verfügung. Stattdessen mussten sie beobachten, Menschen befragen, Spuren verfolgen, Zusammenhänge erkennen und sich Stück für Stück an die Wahrheit herantasten.
Und genau das hat für mich einen ganz besonderen Reiz entwickelt. Ich hatte beim Lesen immer wieder das Gefühl, den Ermittlern wirklich bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. Gleichzeitig wird deutlich, wie schwierig es damals gewesen sein muss, einzelne Verbrechen miteinander in Verbindung zu bringen oder überhaupt genügend Beweise gegen einen Verdächtigen zu sammeln.
Dazu kommt diese unglaublich passende Atmosphäre. Thorsten Schleif hat mich mit seinem London des ausgehenden 19. Jahrhunderts vollkommen abgeholt. Die dunklen Gassen, die gesellschaftlichen Unterschiede, die Polizeiarbeit jener Zeit und die allgegenwärtige Angst vor Jack the Ripper bilden einen großartigen Hintergrund für die Geschichte. Besonders gelungen fand ich dabei die Verbindung realer historischer Persönlichkeiten und Ereignisse mit den fiktiven Figuren. Dadurch hatte ich beim Lesen immer wieder das Gefühl, ganz tief in diese Zeit einzutauchen.
Ein absolutes Highlight waren für mich jedoch die Passagen, in denen wir in die Gedankenwelt des Täters eintauchen.
Und genau diese Stellen haben mir jedes Mal eine Gänsehaut beschert.
Wir wissen lange nicht, wer dieser Mensch ist. Aber zwischendurch sind wir plötzlich ganz nah bei ihm. Wir erleben seine Gedanken, seine Beobachtungen und seine erschreckend ritualisierten Handlungen. In diesen Momenten verändert sich auch die Sprache. Kurze Sätze, Wiederholungen, einzelne Gedanken. Teilweise sind sie beinahe ruhig und kontrolliert. Und gerade diese Ruhe fand ich unglaublich verstörend.
Besonders seine obsessive Fixierung auf bestimmte Details seiner Opfer hat bei mir ein richtig unangenehmes Gefühl ausgelöst. Man kommt dem Täter in diesen Szenen viel näher, als man eigentlich möchte. Gleichzeitig verrät Thorsten Schleif nie zu viel. Diese kurzen Wechsel in seine Gedankenwelt haben die Spannung für mich enorm gesteigert und gehören definitiv zu den stärksten Elementen des Buches.
Auch Will und Irene haben mir richtig gut gefallen. Gerade ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten und Herangehensweisen machen für mich einen großen Teil des Reizes aus. Ich mochte es sehr, ihnen bei ihren Ermittlungen zu folgen und gemeinsam mit ihnen einzelne Puzzleteile zusammenzusetzen.
Überhaupt lebt das Buch für mich von dieser besonderen Mischung: der mühsamen Spurensuche, dem historischen Setting, der düsteren Atmosphäre und einem Täter, dem wir erschreckend nahekommen, ohne lange zu wissen, wer sich hinter diesen Gedanken verbirgt. Ich wollte unbedingt herausfinden, wie alles zusammenhängt.
Für mich ist „Four Heads Missing – Die Toten der Themse“ ein historischer Thriller, der aus der Masse heraussticht. Die Ermittlungen im viktorianischen London, die Atmosphäre, die interessanten Figuren und vor allem die beklemmenden Einblicke in die Gedankenwelt des Täters haben genau meinen Geschmack getroffen.
Ich habe das Buch wirklich begeistert beendet und würde sofort wieder mit Will und Irene durch die dunklen Straßen Londons auf Spurensuche gehen. Genau solche Bücher sind der Grund, warum ich Thriller so gerne lese.