Willkommen im Klischee?
Das Cover hat auf jeden Fall ein optisches Hingucker-Potential und passt auf seine grelle, schmucklose Art perfekt zum Erzählstil des Buches. Ning ist eine Macherin, komplett im Reinen mit sich selbst. Keine großen Worte, dafür harte Fakten schaffen. Kurze Sätze, klare Ansichten. Sie ist endlich mal eine Stimme von der anderen Seite des Nagellackiertischs, an dem sonst nur die reichen, privilegierten, westlichen, polstersesselplatzierten Menschen in den Narrativen interessieren. Da ist das Nagelstudio dann höchstens ein legeres Setting mit austauschbaren, stumm bleibenden Statistinnen. Hier wird es Lebensmittelpunkt, Kleinunternehmen, sozialer Dreh- und Angelpunkt, Informationsquelle und Schauplatz für neuartige Geschichten. Ich bin überzeugt, dass "Frag nach Susan" eine vernachlässigte Perspektive asiatischstämmiger, weiblicher Personen aufzeigt und damit vielleicht (hoffentlich) auch einige unbequemen Wahrheiten, die in solch blitzeblanken Nagelstudios lauern. Den Humor dazu hätte die Autorin, das machen schon die einleitenden Sätze klar.