Das Buch wird mich noch lange begleiten
Ning ist Nagelstudiobesitzerin, ehemalige Boxerin und hat nur neun Finger. Der linke Ringfinger fehlt ihr und stellt den größten Unterschied zwischen ihr und ihren Mitarbeiterinnen dar. Denn sie sind alle ungefähr gleich groß, tragen ihre schwarzen Haare schulterlang, sprechen dieselbe Sprache und heißen alle Susan. Zumindest heißen sie so für ihre Klient:innen. Die schauen eh nicht so genau hin, wer ihnen gerade die Nägel macht und es kommt gut, wenn sie einfach nach Susan fragen können. Und Nings Nagelstudio läuft gut. Die Kund:innen kommen rein, suchen sich eine Nagellackfarbe aus (nachdem sie zum zweiten Mal dazu aufgefordert wurden) und fangen dann meistens zu reden an. Erzählen alles und nichts und verstehen nicht, dass die Nagelstudioarbeiterinnen sich in ihrer Sprache über sie unterhalten. Denn wer spricht schon ihre Sprache?
„Frag nach Susan“ ist ein ruhiger Roman, voller gut platzierter Beobachtungen und Spitzen gegen eine rassistische und klassistische Gesellschaft. Die Übersetzung von Sophie Zeitz passt wunderbar zu der schlichten Erzählweise, bei der man sich nie sicher sein kann, welche Bedeutung ein Ereignis für die Geschichte hat. Immer wieder habe ich beim Lesen mit einem Plottwist gerechnet, damit, dass die Geschichte Fahrt aufnehmen würde, oder aufgekommene Fragen beantwortet werden würde. Erst nach und nach habe ich erstens verstanden, dass „Frag nach Susan“ kein Buch ist, das Antworten gibt und zweitens, dass da die westlich-kapitalistische Kultur aus mir spricht. Aristoteles hat uns beigebracht, dass eine Geschichte aus einem Anfang, einem Hauptteil und einem Schluss besteht, wobei die Spannungskurve erst aufsteigt und sich dann auflöst (erinnert sich noch jemand an die Spannungsmaus aus der Schule?). Es gibt aber auch Kulturen, in denen Geschichten schon immer anders erzählt werden (zum Beispiel zyklisch statt linear).
Vielleicht lese ich zu viel in Souvankham Thammavongsas Roman hinein. Vielleicht aber auch nicht, denn anders als es oft bei einem spannenden Roman der Fall ist, bei dem am Ende alle Fragen aufgelöst werden, habe ich noch oft an „Frag nach Susan“ gedacht. Das Buch begleitet wird mich auf jeden Fall noch eine ganze Weile begleiten und ich glaube auch, dass ich noch mehr interessante Aspekte darin finden werde, wenn ich es irgendwann noch einmal lesen werde.
„Frag nach Susan“ ist ein ruhiger Roman, voller gut platzierter Beobachtungen und Spitzen gegen eine rassistische und klassistische Gesellschaft. Die Übersetzung von Sophie Zeitz passt wunderbar zu der schlichten Erzählweise, bei der man sich nie sicher sein kann, welche Bedeutung ein Ereignis für die Geschichte hat. Immer wieder habe ich beim Lesen mit einem Plottwist gerechnet, damit, dass die Geschichte Fahrt aufnehmen würde, oder aufgekommene Fragen beantwortet werden würde. Erst nach und nach habe ich erstens verstanden, dass „Frag nach Susan“ kein Buch ist, das Antworten gibt und zweitens, dass da die westlich-kapitalistische Kultur aus mir spricht. Aristoteles hat uns beigebracht, dass eine Geschichte aus einem Anfang, einem Hauptteil und einem Schluss besteht, wobei die Spannungskurve erst aufsteigt und sich dann auflöst (erinnert sich noch jemand an die Spannungsmaus aus der Schule?). Es gibt aber auch Kulturen, in denen Geschichten schon immer anders erzählt werden (zum Beispiel zyklisch statt linear).
Vielleicht lese ich zu viel in Souvankham Thammavongsas Roman hinein. Vielleicht aber auch nicht, denn anders als es oft bei einem spannenden Roman der Fall ist, bei dem am Ende alle Fragen aufgelöst werden, habe ich noch oft an „Frag nach Susan“ gedacht. Das Buch begleitet wird mich auf jeden Fall noch eine ganze Weile begleiten und ich glaube auch, dass ich noch mehr interessante Aspekte darin finden werde, wenn ich es irgendwann noch einmal lesen werde.