Ein Nagelstudio, das mehr erzählt, als man denkt

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backlistbaddie Avatar

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Auf den ersten Blick wirkt das Nagelstudio unscheinbar, aber genau darin liegt für mich die Stärke der Geschichte.

Besonders Ning und die anderen Frauen im Nagelstudio fand ich spannend. Sie beobachten ihre Kundinnen, hören deren Gespräche und bekommen dadurch Einblicke in ganz unterschiedliche Leben, während sie selbst oft kaum wahrgenommen werden. Dieser Perspektivwechsel hat mir sehr gefallen, weil er zeigt, wie schnell wir Menschen beurteilen, ohne ihre ganze Geschichte zu kennen.

Dabei steckt in den scheinbar alltäglichen Gesprächen überraschend viel Gesellschaftskritik. Es geht um Herkunft, Klasse, Arbeit, Sprache, Respekt und darum, wer gesehen wird und wer eher unsichtbar bleibt. Besonders mochte ich, dass diese Themen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger vermittelt werden.

Auch der trockene und manchmal ziemlich bissige Humor hat für mich gut funktioniert. Die Geschichte ist ruhig erzählt, aber gerade dadurch bleiben manche Beobachtungen hängen.

Für mich ist „Frag nach Susan“ deshalb ein ungewöhnlicher und kluger Roman, der aus einem ganz normalen Arbeitstag viel mehr macht, als man zunächst erwartet. Ein Buch, das leise daherkommt, aber einige interessante Gedanken mit auf den Weg gibt.