Ich will nichts anderes als Susan sein
Souvankham Thammavongsas Debütorman „Frag nach Susan“ führt uns in die Welt der Nagelstudios: Die etwa vierzigjährige Protagonistin Ning war früher Boxerin, nun ist ihr Nagelstudio ihr „Ring“: „Das ist alles lange her. Susan’s. Die Mädchen. Der Laden ist jetzt mein Ring. Wenn du gut in deinem Job bist, ist es egal, welchen Job du machst, Hauptsache, du fühlst dich wohl in deiner Ecke der Welt. Ich habe jetzt einen Ort, an dem ich jeden Tag willkommen bin.“
Da die „white rich“ Kundschaft die echten Namen der asiatischen Mitarbeiterinnen sowieso nicht aussprechen, geschweige die Frauen unterscheiden können, tragen der Einfachheit halber ein Namensschild mit demselben Namen: „Susan“, und sie arbeiten alle im Einheitslook: schwarzes Shirt, schwarze Jeans, schwarze Schuhe & alle mit derselben Frisur.
„Ich lebe in einer Welt voller Susans. Alle, die in meinem Nagelstudio arbeiten, bekommen ein Namensschild von mir, und auf jedem Namensschild steht »Susan«. So viele Mädchen kommen und gehen. Ich habe keine Lust, jedes Mal neue Namensschilder zu besorgen. Davon mal abgesehen, spricht sich ein Name wie Susan leichter aus.
Unseren Kunden fällt es nicht auf. Sie kommen rein, und wir stehen bereit und können loslegen. Nur das zählt für sie. Wir haben schwarzes, schulterlanges Haar und tragen schwarze T-Shirts und schwarze Hosen. Wir sind auch ungefähr gleich groß.
Außerdem liegen die Kunden nie falsch, wenn sie nach Susan fragen. Die liebe Susan ist immer verfügbar und stets zu Diensten. Susan hat nie einen freien Tag und Susan ist nie ausgebucht, wenn du für sie anrufst. Susan, unsere liebe, nette Susan, nimmt sich immer für dich Zeit.
Die Susans und ich haben ein gutes Verhältnis, wie man es eben hat, wenn man zusammenarbeitet, sich jeden Tag sieht. Ich halte sie gern auf Distanz, komme keiner zu nahe. Sie sind nicht meine Familie. Und selbst meine Familie halte ich auf Distanz.
Ich habe mein Soll erfüllt.“
Während die Frauen die Nägel und Füße der Kund*innen pflegen, müssen sie sich auch um deren Launen und Luxusprobleme kümmern und sind dabei permanent Alltagsraissismus, Herabwürdigungen und subitlen Machtstrukturen ausgesetzt. Nach außen müssen sie freundlich lächeln, doch im Innern der Frauen verbergen sich sowohl etliche Spanngunge als auch Träume und Wünsche.
Mir hat Souvankham Thammavongsas Schreibstil sehr gut gefallen, sie ist eine feine Beobachterin und schreibt mit Wortwitz und Tiefgang über die Ausbeutung von Migrantinnen in dieser Branche, über Klassismus und Rassismus, Identität und Anpassung von Einwander*innen.
Ning ist eine großartige Protagonistin, nach außen ruhig, aber in ihr steckt sehr viel Klugheit und Reflektiertheit, sie ist sehr authentisch getroffen.
Nings priviligierte Kundschaft fühlt sich dem Personal überlegen, doch Ning und ihre „Susans“ haben ihre eigenen Überlebensstrategien und Methoden:
„Jeder kriegt, was er will, aber ich bringe sie mit gezielten Fragen dazu, das zu wollen, was gut für sie ist. Ich weiß, was das Beste für sie ist, und ich bringe sie dazu, es auszusprechen, so wie die Anwälte in den schicken Anzügen im Fernsehen die richtigen Antworten aus den Zeugen herausholen. Ich stelle Fragen, zu denen ich schon die Antworten kenne. Hole sie heraus.“
„Frag nach Susan“ ist ein Roman, der unbedingt Beachtung verdient und mir sehr gut gefallen hat!
Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚
Da die „white rich“ Kundschaft die echten Namen der asiatischen Mitarbeiterinnen sowieso nicht aussprechen, geschweige die Frauen unterscheiden können, tragen der Einfachheit halber ein Namensschild mit demselben Namen: „Susan“, und sie arbeiten alle im Einheitslook: schwarzes Shirt, schwarze Jeans, schwarze Schuhe & alle mit derselben Frisur.
„Ich lebe in einer Welt voller Susans. Alle, die in meinem Nagelstudio arbeiten, bekommen ein Namensschild von mir, und auf jedem Namensschild steht »Susan«. So viele Mädchen kommen und gehen. Ich habe keine Lust, jedes Mal neue Namensschilder zu besorgen. Davon mal abgesehen, spricht sich ein Name wie Susan leichter aus.
Unseren Kunden fällt es nicht auf. Sie kommen rein, und wir stehen bereit und können loslegen. Nur das zählt für sie. Wir haben schwarzes, schulterlanges Haar und tragen schwarze T-Shirts und schwarze Hosen. Wir sind auch ungefähr gleich groß.
Außerdem liegen die Kunden nie falsch, wenn sie nach Susan fragen. Die liebe Susan ist immer verfügbar und stets zu Diensten. Susan hat nie einen freien Tag und Susan ist nie ausgebucht, wenn du für sie anrufst. Susan, unsere liebe, nette Susan, nimmt sich immer für dich Zeit.
Die Susans und ich haben ein gutes Verhältnis, wie man es eben hat, wenn man zusammenarbeitet, sich jeden Tag sieht. Ich halte sie gern auf Distanz, komme keiner zu nahe. Sie sind nicht meine Familie. Und selbst meine Familie halte ich auf Distanz.
Ich habe mein Soll erfüllt.“
Während die Frauen die Nägel und Füße der Kund*innen pflegen, müssen sie sich auch um deren Launen und Luxusprobleme kümmern und sind dabei permanent Alltagsraissismus, Herabwürdigungen und subitlen Machtstrukturen ausgesetzt. Nach außen müssen sie freundlich lächeln, doch im Innern der Frauen verbergen sich sowohl etliche Spanngunge als auch Träume und Wünsche.
Mir hat Souvankham Thammavongsas Schreibstil sehr gut gefallen, sie ist eine feine Beobachterin und schreibt mit Wortwitz und Tiefgang über die Ausbeutung von Migrantinnen in dieser Branche, über Klassismus und Rassismus, Identität und Anpassung von Einwander*innen.
Ning ist eine großartige Protagonistin, nach außen ruhig, aber in ihr steckt sehr viel Klugheit und Reflektiertheit, sie ist sehr authentisch getroffen.
Nings priviligierte Kundschaft fühlt sich dem Personal überlegen, doch Ning und ihre „Susans“ haben ihre eigenen Überlebensstrategien und Methoden:
„Jeder kriegt, was er will, aber ich bringe sie mit gezielten Fragen dazu, das zu wollen, was gut für sie ist. Ich weiß, was das Beste für sie ist, und ich bringe sie dazu, es auszusprechen, so wie die Anwälte in den schicken Anzügen im Fernsehen die richtigen Antworten aus den Zeugen herausholen. Ich stelle Fragen, zu denen ich schon die Antworten kenne. Hole sie heraus.“
„Frag nach Susan“ ist ein Roman, der unbedingt Beachtung verdient und mir sehr gut gefallen hat!
Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚