Macht und Maniküre

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chimichurri Avatar

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In Frag nach Susan erzählt die Exboxerin Ning von einem Tag in ihrem Nagelstudio Susan's. Sie schaut genau hin - auf die Finger und Füße, die Härchen und Falten - und sie beschreibt genau und manchmal überraschend - zum Beispiel die Tauben, die vor ihrem Laden "schattenboxen". Über die Ich-Erzählerin selbst erfährt man nicht viel - wie ihre Kund:innen und ihre Gegnerinnen im Ring hält sie auch die Lesenden auf Distanz. Gewisse Dinge werden angesprochen, aber nie aufgelöst: Wir wissen zum Beispiel, dass Ning der Ringfinger fehlt, wie es dazu kam, verrät sie nicht. Das eigentlich spannende ist die Dynamik zwischen Angestellten und Kund:innen und unter den Angestellten selbst. Es macht Spaß, die "Susans" untereinander sprechen zu hören - und verstehen zu können, wie sie in ihrer Muttersprache über die Kund:innen lästern und spekulieren, wie sie sie nachahmen und parodieren, während diese komplett ahnungslos bleiben. Im Kern geht es dabei ganz viel um Macht und Machtspiele, darum, wer wie zu und über wen spricht und sprechen kann, wer was von sich preisgibt und zurückhält, und das ist so subtil und spannend wie unterhaltsam gestaltet. Ein kluges, witziges Lesevergnügen, bei dem sich 200 Seiten eher wie 20 anfühlen!