Mehr als Susan
„Frag nach Susan” ist genau die Art Buch, bei der man nach der ersten Seite denkt: Moment, das ist doch noch das erste Kapitel? Und dann stellt man fest, man hat schon vierzig Seiten verschlungen, ohne es zu merken.
Souvankham Thammavongsa erzählt die Geschichte von Ning, einer ehemaligen Profiboxerin, die heute einen Nagelsalon führt. Ihre Angestellten tragen alle dasselbe Namensschild: „Susan”. Nicht weil sie alle so heißen, sondern weil es für die Kundschaft einfach bequemer ist, ein Name, den man sich nicht merken muss, weil man sich für die Frau dahinter ohnehin nicht wirklich interessiert. Der ganze Roman spielt an einem einzigen Sommertag im Salon, während gefeilt, poliert, gezupft wird und die Kundinnen kommen und gehen, ohne je zu ahnen, wer ihnen da eigentlich gegenübersitzt.
Und genau das ist die große Stärke des Buchs: Es räumt gnadenlos mit dem Bild auf, das man vom „stillen, unterwürfigen Nagelstudio-Mädchen” im Kopf hat. Ning ist alles andere als unterwürfig. Sie ist scharf beobachtend, klug, mit einer trockenen, manchmal fast bissigen Stimme im Kopf, die man als Leser*in sofort mag. Man merkt in jeder Zeile: Diese Frau hat eine Meinung; zu ihren Kundinnen, zu ihren Kolleginnen, zu ihrem eigenen Leben. Sie sagt sie nur nicht laut. Diese Kluft zwischen dem, was Ning denkt, und dem, was sie lächelnd nach außen zeigt, trägt das ganze Buch und macht es unglaublich unterhaltsam zu lesen, fast wie ein Boxkampf, bei dem man die Schläge nur innerlich sieht.
Sprachlich ist das Buch ein Genuss. Thammavongsa kommt von der Lyrik, und das spürt man: kurze, präzise Sätze, die trotzdem Bilder erzeugen, kein Wort zu viel. Nichts wirkt aufgesetzt literarisch, es liest sich eher wie ein Blick durch ein Schlüsselloch: nah, direkt, manchmal komisch, manchmal auf den Punkt melancholisch.
Kurzum: ein schmales Buch mit viel Wucht, das einen kompletten Tag im Leben einer Frau zeigt, die viel mehr ist, als ihr Namensschild verrät und das dabei so kurzweilig bleibt, dass man es am liebsten in einem Rutsch durchliest.
Souvankham Thammavongsa erzählt die Geschichte von Ning, einer ehemaligen Profiboxerin, die heute einen Nagelsalon führt. Ihre Angestellten tragen alle dasselbe Namensschild: „Susan”. Nicht weil sie alle so heißen, sondern weil es für die Kundschaft einfach bequemer ist, ein Name, den man sich nicht merken muss, weil man sich für die Frau dahinter ohnehin nicht wirklich interessiert. Der ganze Roman spielt an einem einzigen Sommertag im Salon, während gefeilt, poliert, gezupft wird und die Kundinnen kommen und gehen, ohne je zu ahnen, wer ihnen da eigentlich gegenübersitzt.
Und genau das ist die große Stärke des Buchs: Es räumt gnadenlos mit dem Bild auf, das man vom „stillen, unterwürfigen Nagelstudio-Mädchen” im Kopf hat. Ning ist alles andere als unterwürfig. Sie ist scharf beobachtend, klug, mit einer trockenen, manchmal fast bissigen Stimme im Kopf, die man als Leser*in sofort mag. Man merkt in jeder Zeile: Diese Frau hat eine Meinung; zu ihren Kundinnen, zu ihren Kolleginnen, zu ihrem eigenen Leben. Sie sagt sie nur nicht laut. Diese Kluft zwischen dem, was Ning denkt, und dem, was sie lächelnd nach außen zeigt, trägt das ganze Buch und macht es unglaublich unterhaltsam zu lesen, fast wie ein Boxkampf, bei dem man die Schläge nur innerlich sieht.
Sprachlich ist das Buch ein Genuss. Thammavongsa kommt von der Lyrik, und das spürt man: kurze, präzise Sätze, die trotzdem Bilder erzeugen, kein Wort zu viel. Nichts wirkt aufgesetzt literarisch, es liest sich eher wie ein Blick durch ein Schlüsselloch: nah, direkt, manchmal komisch, manchmal auf den Punkt melancholisch.
Kurzum: ein schmales Buch mit viel Wucht, das einen kompletten Tag im Leben einer Frau zeigt, die viel mehr ist, als ihr Namensschild verrät und das dabei so kurzweilig bleibt, dass man es am liebsten in einem Rutsch durchliest.