Mikrokosmos Beautysalon

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brigitteb Avatar

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Die zurückgetretene Profiboxerin Ning führt in einer amerikanischen Grossstadt ein Nagelstudio. Als Frau asiatischer Herkunft stellt sie bewusst vier ebenfalls asiatische Mädchen ein, die alle ein einheitliches Erscheinungsbild haben müssen. Jede bekommt das Namensschild "Susan". Die echten Namen spielen keine Rolle, denn die Kundinnen sehen sowieso in jeder Angestellten das Gleiche, nämlich nichts. Tag für Tag arbeiten Ming und ihr Team bis zum Umfallen. Die tägliche Devise lautet: Nicken, Lächeln, A*loch denken. Daneben müssen sie auch für ein Butterbrot als stets verfügbare Seelsorgerinnen der Kundschaft agieren und sich deren ganzen Seelenmüll anhören.

Die Angestellten sorgen für ihre eigene Psychohygiene, indem sie noch während den Behandlungen in ihrer Muttersprache über die Kundinnen lästern - bissig, indiskret und vulgär. Sie wissen, dass ihnen sowieso niemand zuhört. Sie entwickeln in ihrer Tätigkeit eine messerscharfe Menschenkenntnis, die jeden Psychiater erblassen liesse. Eins steht fest: das Beautybusiness ist ein noch gnadenloseres Pflaster als das Boxergewerbe.

Die Autorin präsentiert einen schonungslosen Blick hinter die Fassade des American Way of Life. Knallhart und pointiert beschreibt sie Themen wie Klassendenken, Alltagsrassismus und das Nichtgesehenwerden von Menschen, die man als untergeordnet betrachtet. Es beeindrucken die persönlichen Schicksale hinter den einzelnen "Susans" und mich berührte, wie Ning ihre Distanziertheit gegenüber Mitarbeitern und Kunden nie ablegen kann. Ein Buch, das dazu animiert, unsere erzogenen und erworbenen sterotypen Menschenbilder zu überdenken.