Nagellackwahl
"Frag nach Susan" von Souvankham Thammavongsa erzählt aus der Sicht der Inhaberin Ning von einem Tag in deren Nagelstudio. Die ehemalige Boxerin ist Anfang vierzig, hat keine Kinder, keinen Partner und wohl auch kaum Kontakte außerhalb der Arbeit. Man bekommt schnell das Gefühl, dass sie nur für ihre Arbeit lebt. Ihre Angestellten tragen alle dieselbe Arbeitskleidung, dieselbe Frisur und für die Kunden auch denselben Namen. Effektivität zählt, nur die Basics, pro Behandlung nur zwanzig Minuten Zeit. Die Autorin zeigt hier einen ungeschönten Blick auf die Dienstleistungsbranche. Für die Kunden sind die Susans austauschbar, unsichtbar und trotzdem ein Kontakt, um Persönliches zu erzählen. Ning selbst gibt anderen ungerne etwas von sich preis. Sie achtet bei ihren Angestellten aber darauf, dass sie dieselbe Sprache sprechen, um in Anwesenheit der Kunden ungehindert über diese lästern zu können. Vielleicht auch als Reaktion auf den Alltagsrassismus, dem die Frauen täglich begegnen? Ein paar Fragen, die das Buch aufwirft, bleiben unbeantwortet. Auch bleiben die Hintergründe der Angestellten, ihre Träume, Ängste und Lebenssituationen blass. Selbst die Kunden hätten spannender gestaltet sein können. Zurück bleibt man mit einigen interessanten Überlegungen und einer für mein Empfinden zutiefst einsamen Nagelstudiobesitzerin. Ein kurzes Buch, das mich gedanklich auf jeden Fall auch über das Lesen hinaus weiterbeschäftigt.