Ning

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Ich - Erzählerin Ning ist ehemalige Boxerin, Anfang 40 und betreibt einen kleinen Kosmetiksalon mit vier Mitarbeiterinnen. Dieser Salon, über dem sie ein Mini-Appartement bewohnt, ist buchstäblich ihr ganzes Leben, so wie ihre Mitarbeiterinnen, auch wenn sie sie nicht richtig an sich heranlassen will, ihre nächsten Bezugspersonen sind. In diesem kleinen Universum für sich entspinnt die Autorin ein Porträt einer zurückgezogenen Frau, die es gewohnt ist für sich zu kämpfen, im Boxring, im Salon, im Leben. Gleichzeitig entsteht eine feine und messerscharfe Gesellschaftsanalyse mit Blick auf die in der Regel privilegierten, weißen Kundinnen und Kunden, wie sie Ning und ihre Kolleginnen behandeln und wie die vier Frauen versuchen ihren Platz in der Gesellschaft zu verteidigen und erkämpfen. Diese gesellschaftliche Hierarchie verdeutlicht bereits der Titel, denn in völliger Austauschbarkeit hören alle Kolleginnen auf den Namen Susan und sehen exakt gleich gekleidet und gestyled aus, jeglicher Individualität beraubt, begleitet vom Desinteresse an ihrer Person durch die Kundinnen.

Der Roman begleitet in der Ich-Form einen Tag im Salon und legt dabei Nings Charakter und Geschichte, die Dynamik im Team und das Verhalten der Kundschaft teilweise schonungslos offen. Ning und ihre Kolleginnen spielen mit den Klischees der rassistischen Vorurteile ihrer Kundinnen, reden konsequent über diese, analysieren sie und gewinnen so ein Stück Macht zurück, die ihnen die Gesellschaft außerhalb des Salons zu oft verwehrt. Dies nicht nur angesichts ihres Migrationshintergrunds, sondern auch in ihrer Rolle als Frau und aufgrund ihrer Klassenzugehörigkeit. So wird der Roman auch zu einer Erzählung über weibliche Selbstbestimmung- und Behauptung.

All dies erzählt Thammavongsa in einem bissigen, unterhaltsamen Ton, der den Roman kurzweilig verfliegen lässt. Was bleibt, ist ein ungutes Gefühl, wie unsere Gesellschaft mit Biografien jenseits der Mehrheitsgesellschaft umgeht und wie wenig echtes Interesse diese an Menschen wie Ning hat, jenseits einer Dienstleistung.