Schicker Lack, wenig dahinter
Eine ehemalige Boxerin, die ein Nagelstudio betreibt und alle Angestellten „Susan“ nennt – die Grundidee dieses Buches hatte sofort meine Aufmerksamkeit. Die Leseprobe vermittelte den Eindruck, dass Ning aus einem besonderen Blickwinkel von Alltagsrassismus und prekären Arbeitsverhältnissen zu berichten weiß. Doch leider konnte das Buch diesem Anspruch nicht gerecht werden, weil es über weite Strecken nur an der Oberfläche kratzt.
Es behandelt einen gewöhnlichen Arbeitstag in einem Nagelstudio und beinhaltet kaum Handlung, was an sich gar nicht schlimm ist. Der Fokus liegt eher auf dem, was die Kunden erzählen und dem, was Ning und ihre Kolleginnen darüber denken, bzw. sich ungeniert und lautstark darüber unterhalten, natürlich in ihrer eigenen Sprache, die von den ahnungslosen Kunden sowieso nicht verstanden wird.
Mit Hilfe ihrer Mehrsprachigkeit gelingt es den Susans, die Machtverhältnisse zwischen Dienstleisterinnen und Kunden zum Wackeln zu bringen; obwohl sie sich gesellschaftlich auf einem viel tieferen Niveau bewegen, können sie sich mit ihren giftigen Kommentaren über andere stellen. Dieses Konstrukt ist im ersten Moment abgründig und witzig, bleibt aber meist in derben, seichten Witzen hängen.
Ning wiederum, die im Eingangskapitel scharfzüngig analysiert, hängt innerlich bei sich selber und ihrer Bindungsunfähigkeit fest. Dieses Gedankenkarussell wird von stakkatoartig gesetzten Sätzen unterstrichen und philosophischen Anklängen begleitet, aber dadurch leider nicht spannender. Vor allem, wenn gleichzeitig Nings Charakter immer unstimmiger erscheint.
Sie ist Chefin, und sie hat Prinzipien. Doch in vielen Passagen ist Ning die, welche die Nägel macht, während die Susans hier und da etwas zurechtrücken, in den Computer tippen und vor allem ihre gemeinen Kommentare abgeben: für eine angeblich so durchsetzungsfreudige Inhaberin eine seltsame Arbeitsteilung. Und dann ist da noch der Kerl mit der 1-Sterne-Bewertung und dem Mittelfinger, der Ning eine ungehörige Angst vor einem Wiederauftauchen einjagt… Ning, einer ehemaligen Boxerin?! Im Ernst?!
Nein, ich konnte Ning leider schon bald nicht mehr ernst nehmen. Es fiel mir immer schwerer, in den desillusionierten Betrachtungen einer sich nicht ändern wollenden Nagelstudioinhaberin eine Botschaft zu finden, eine beißende Gesellschaftskritik schon gar nicht.
Vielleicht beinhaltet der ständig erwähnte, aber nie erklärte fehlende Finger eine tiefere Aussage. Vielleicht steht er aber auch nur als Symbol dafür, dass in diesem Roman zu viele Lücken bleiben.
Fazit: „Frag nach Susan“ hat einen großartigen Pitch und ein paar nette erzählerische Ansätze, bleibt aber mit der flachen, lauwarmen Umsetzung und etlichen Ungereimtheiten weit hinter seinem Potenzial und meinen Erwartungen zurück. 2,5 Sterne.
Es behandelt einen gewöhnlichen Arbeitstag in einem Nagelstudio und beinhaltet kaum Handlung, was an sich gar nicht schlimm ist. Der Fokus liegt eher auf dem, was die Kunden erzählen und dem, was Ning und ihre Kolleginnen darüber denken, bzw. sich ungeniert und lautstark darüber unterhalten, natürlich in ihrer eigenen Sprache, die von den ahnungslosen Kunden sowieso nicht verstanden wird.
Mit Hilfe ihrer Mehrsprachigkeit gelingt es den Susans, die Machtverhältnisse zwischen Dienstleisterinnen und Kunden zum Wackeln zu bringen; obwohl sie sich gesellschaftlich auf einem viel tieferen Niveau bewegen, können sie sich mit ihren giftigen Kommentaren über andere stellen. Dieses Konstrukt ist im ersten Moment abgründig und witzig, bleibt aber meist in derben, seichten Witzen hängen.
Ning wiederum, die im Eingangskapitel scharfzüngig analysiert, hängt innerlich bei sich selber und ihrer Bindungsunfähigkeit fest. Dieses Gedankenkarussell wird von stakkatoartig gesetzten Sätzen unterstrichen und philosophischen Anklängen begleitet, aber dadurch leider nicht spannender. Vor allem, wenn gleichzeitig Nings Charakter immer unstimmiger erscheint.
Sie ist Chefin, und sie hat Prinzipien. Doch in vielen Passagen ist Ning die, welche die Nägel macht, während die Susans hier und da etwas zurechtrücken, in den Computer tippen und vor allem ihre gemeinen Kommentare abgeben: für eine angeblich so durchsetzungsfreudige Inhaberin eine seltsame Arbeitsteilung. Und dann ist da noch der Kerl mit der 1-Sterne-Bewertung und dem Mittelfinger, der Ning eine ungehörige Angst vor einem Wiederauftauchen einjagt… Ning, einer ehemaligen Boxerin?! Im Ernst?!
Nein, ich konnte Ning leider schon bald nicht mehr ernst nehmen. Es fiel mir immer schwerer, in den desillusionierten Betrachtungen einer sich nicht ändern wollenden Nagelstudioinhaberin eine Botschaft zu finden, eine beißende Gesellschaftskritik schon gar nicht.
Vielleicht beinhaltet der ständig erwähnte, aber nie erklärte fehlende Finger eine tiefere Aussage. Vielleicht steht er aber auch nur als Symbol dafür, dass in diesem Roman zu viele Lücken bleiben.
Fazit: „Frag nach Susan“ hat einen großartigen Pitch und ein paar nette erzählerische Ansätze, bleibt aber mit der flachen, lauwarmen Umsetzung und etlichen Ungereimtheiten weit hinter seinem Potenzial und meinen Erwartungen zurück. 2,5 Sterne.