Tolle Prämisse und starker Schreibstil – leider ohne Ecken, Kanten und Handlung

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nele2505 Avatar

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Die Idee hinter dem Buch hat mich sofort neugierig gemacht. Ein Nagelstudio, in dem alle Mitarbeiterinnen sich ähnlich sehen, das gleiche tragen und pauschal das Namensschild "Susan" tragen - einfach weil es praktischer ist, der Name leicht auszusprechen ist und so "Susan" für die Kunden buchstäblich immer verfügbar ist. Gleich der Einstieg bringt dieses Konzept wunderbar auf den Punkt: "Ich lebe in einer Welt voller Susans. Alle, die in meinem Nagelstudio arbeiten, bekommen ein Namensschild von mir, und auf jedem Namensschild steht 'Susan'. (…) Susan hat nie einen freien Tag und Susan ist nie ausgebucht (…) Susan, unsere liebe, nette Susan, nimmt sich immer für dich Zeit."

Gefallen hat mir vor allem die Atmosphäre im Laden zwischen der Besitzerin Ning und ihren Mitarbeiterinnen. Es ist erfrischend und empowernd zu lesen, wie die Frauen mit Alltagsrassismus umgehen, sich subtil über die Kundschaft lustig machen und sich selbst keineswegs als Opfer, sondern als der überlegene Teil des Geschäfts sehen.

Das ganze Buch erzählt einen einzigen Tag aus Nings Sicht, die über dem Laden wohnt und sonst nicht viel im Leben hat oder will. Sie in ihren verschiedenen Rollen als Chefin, Alleinstehende, Freundin und Dienstleisterin zu beobachten, zeichnet ein durchaus interessantes Bild einer komplexen Persönlichkeit. Der Schreibstil ist dabei durchweg gut und die überschaubare Seitenzahl hilft definitiv dabei, dass man sich trotz der Schwächen ordentlich unterhalten fühlt.

Mein großes Aber betrifft die Handlung - oder vielmehr das Fehlen einer solchen. Nach der Hälfte des Buches, als das Setting geklärt war, habe ich mich zunehmend gefragt, wann die Story denn nun endlich losgeht. Doch es kommt keine Handlung mehr, sondern lediglich eine stetige Parade von Kundinnen und Kunden. Das Buch schafft es leider, trotz vieler angedeuteter Rätsel und Geheimnisse stellenweise richtig langweilig zu werden.

Es werden super viele Hintergrunddinge angesprochen, die nie auch nur ansatzweise aufgeklärt werden oder eine Rolle für die Geschichte spielen. Nings Vergangenheit als Boxerin, ihr Verhältnis zum ehemaligen Trainer, ihr fehlender Finger, die Sache mit Rachel oder eine der Susans, die nie wieder aufgetaucht ist: All diese Dinge wecken das Interesse, werden dann aber einfach fallengelassen. Es ist absolut fair, wenn in einer Geschichte ein Geheimnis ungelüftet bleibt; dass niemand darüber redet, weshalb Ning ein Finger fehlt, hat sogar seinen Reiz. Aber dass rein gar nichts aufgeklärt wird, nimmt dem Ganzen die Luft. Wenn klar ist, dass ohnehin keine Antworten folgen, fiebert man auch nicht mehr mit und es wird einem irgendwann egal.

Am Ende hat man eine handlungsarme Story mit einer eher unsympathischen Protagonistin und Geheimnissen, die im Nichts verlaufen. So kommt leider weder echte Spannung noch Neugier auf. Frag nach Susan punktet mit einer starken Perspektive, einer tollen Idee und einem guten Schreibstil – man fragt sich am Ende nur leider etwas ratlos, was das jetzt eigentlich sollte.