Unsichtbarmachen

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maluli Avatar

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Lustigerweise habe ich vor ein paar Wochen ein Video einer deutschen Content creatorin gesehen, die ein bisschen zu laut ins Internet geheult hat, dass die ach so gemeinen 'asiatischen' Angestellten in einem Billignagelstudio in deren Muttersprache über sie gelästert hätten.
Das Buch 'Frag nach Susan' ist im Original in Nordamerika erschienen, beschreibt aber genau jenes Verhältnis zwischen teils sehr anstrengenden Kund*innen und den Angestellten, die völlig anonym bleiben - so anonym, dass sie hier im Roman tatsächlich alle Susan heißen sollen, sich gleich anziehen und sogar den gleichen Haarschnitt haben sollen. Ihre Herkunft spielt keine Rolle und wird nicht genannt, die Kundschaft kann sie ohnehin nicht unterscheiden.
Und tatsächlich wird im Roman, der einen einzigen Arbeitstag vom Öffnen bis zum Zuschließen des Ladens umfasst, den ganzen Tag in der den Kund*innen fremden Sprache gelästert, analysiert, philosophiert.
Das Buch liest sich schnell, jede Kundin eröffnet eine neue kleine Szene, und was die jeweilige Person auf dem Behandlungsstuhl an Gesprächen inspiriert, ist teils banal, teils tiefgründig bis tragisch. Auch die Studiomitarbeiterinnen haben so ihre Päckchen zu tragen und sind, obwohl sie unsichtbar gemacht werden, sehr vielschichtig.
Der Roman ist eine Kritik an der weißen Gesellschaft in Nordamerika (aber auch gut auf Deutschland übertragbar), die Menschen of Colour unsichtbar macht bzw. sie nicht als Individuen wahrnehmen will. Es geht auch um Klassismus und andere gesellschaftlich relevante Themen, allerdings muss man diese bisweilen in den leisen Zwischentönen der lakonischen Erzählerin finden.
"Frag nach Susan" ist ein Roman, der mit einem Paukenschlag beginnt ("Alle Menschen sind hässlich"), dann aber doch recht ruhig verläuft. Ich könnte mir auch eine Verfilmung als Mini-Serie sehr gut vorstellen.
Insgesamt eine interessante Lektüre, die zum Nachdenken und Diskutieren anregt, mich aber nicht umgehauen hat.