Warmherziges Wohlfühl-Märchen oder doch eine Spur zu viel Zuckerguss?

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Mein Urteil: Rein nach dieser Leseprobe zu urteilen – für gemütliche Stunden im Advent mit Tee auf dem Sofa funktioniert das wunderbar, aber man muss schon eine sehr hohe Toleranzgrenze für rührende Lebensweisheiten mitbringen!

Das Setting in Winterswalde bedient natürlich jedes denkbare Winterklischee aus dem Bilderbuch: dicke Schneedecken auf den Dächern, dampfender Atem, Drehorgelklänge, Duft nach gebrannten Mandeln und ein Weihnachtsmarkt, der direkt einer Schneekugel entsprungen sein könnte. Der Kniff mit dem Stand der alten Elise gefällt mir vom Grundgedanken her dennoch: Handgefertigte Schätze – von Strohsternen bis zu Naturseifen –, die man nicht mit schnödem Geld bezahlt, sondern gegen eine ehrliche persönliche Geschichte eintauscht. Das hat einen charmanten, märchenhaften Kern.

In den beiden Episoden zeigt sich dann aber sehr schnell das starre Schema, nach dem diese „Wunder“ gestrickt sind:

Bei Horst, dem arbeitslosen Fliesenleger mit kaputtem Knie, der sich für seine Bärbel keine teuren Geschenke leisten kann, trifft die Schilderung der Existenzangst durchaus einen Nerv. Aber wie Elise ihm dann innerhalb von zwei Minuten mit der Metapher vom umgekippten Mülleimer den Lebensmut zurückgibt, wirkt arg konstruiert und wie eine Abkürzung durch die Kalenderspruch-Kiste.

Bei Sarah, der gestressten Werbetexterin, die zwischen Spülmaschine, To-do-Listen und der Schwiegermutter mit „Hirnfürzen“ rotiert, habe ich zwar über ihren zynischen Blick auf die eigene Branche geschmunzelt. Doch die Botschaft – kauf dir einen Crêpe, fahr Karussell und das Leben ist wieder bunt – ist mir für echte Alltagsüberlastung dann doch ein bisschen zu simpel aufgelöst.

Die Zwischentitel wie „Wir sind mehr als unsere schlimmsten Tage“ oder „Das Leben will nicht nur organisiert, sondern auch gelebt werden“ unterstreichen genau das: Es ist eine herzerwärmende, gut gemeinte Adventslektüre für alle, die in der Weihnachtszeit Trost und sanfte Denkanstöße suchen. Literarisch darf man hier keine Ecken und Kanten erwarten, denn am Ende biegt jede Begegnung sehr brav und vorhersehbar auf den Pfad der Rührung ab. Nett für die Jahreszeit, aber definitiv mit einer Extraportion Puderzucker bestäubt.