Wunderschöne Weihnachtsgeschichten über das Leben

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ladytiga Avatar

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Ehrlich gesagt hätte ich dieses Buch nach dem Lesen der Rückseite beinahe wieder zur Seite gelegt. Irgendwie hat mich die Beschreibung nicht so richtig angesprochen und es war mir auf den ersten Blick auch ein bisschen zu „deutsch“. Ich weiß gar nicht genau, warum, aber so richtig neugierig hat es mich erst einmal nicht gemacht.

Dann habe ich aber gesehen, dass das Buch 24 Kapitel hat und wie ein Adventskalender aufgebaut ist. Das fand ich dann doch interessant, weil ich die Idee eigentlich schön finde, jeden Tag im Dezember eine kleine Geschichte zu lesen. Also habe ich dem Buch doch eine Chance gegeben und das erste Kapitel gelesen.

Darin geht es um einen Mann, der arbeitslos geworden ist. Das vergangene Jahr war für ihn und seine Frau deshalb ziemlich schwierig. Trotzdem möchte er ihr zu Weihnachten gerne etwas schenken. Das Problem ist nur, dass er kein Geld dafür hat, weil er bisher keine neue Arbeit gefunden hat und selbst noch gar nicht richtig weiß, wie es für ihn weitergehen soll.

Auf dem Weihnachtsmarkt entdeckt er dann den Stand von Frau Elise. Sie möchte kein Geld für ihre Sachen, sondern bittet die Menschen stattdessen um eine Geschichte. Bei ihm muss sie allerdings ein bisschen nachhelfen, denn er weiß zunächst gar nicht, was er ihr erzählen soll.

Und genau das fand ich an der ersten Geschichte eigentlich richtig schön. Er sieht sich selbst inzwischen nur noch als Arbeitslosen, als jemanden, der nichts zustande bekommt und irgendwie nutzlos ist. Frau Elise schafft es aber durch ihre Fragen und seine eigenen Worte, ihm zu zeigen, dass er viel mehr ist als das.

Besonders schön fand ich den Vergleich mit dem Weihnachtsmarkt. Man kann einen ganzen Weihnachtsmarkt sehen, mit seinen Lichtern, den Ständen, dem Duft und all den Menschen. Man kann aber auch nur eine umgefallene Mülltonne sehen. Wenn man anderen dann nur von der Mülltonne erzählt, würden die wahrscheinlich denken, dass sie dort niemals hingehen wollen. Dabei gibt es dort eigentlich so viel mehr zu entdecken.

Ich fand diese Botschaft wirklich schön, weil der Mann dadurch langsam merkt, dass er sich selbst gerade auch nur noch auf eine einzige Sache reduziert. Er ist nicht einfach nur der Arbeitslose, der keine Arbeit findet. Er ist trotzdem noch ein Mensch mit Fähigkeiten, Gedanken und Geschichten.

Das erste Kapitel hat mir deshalb tatsächlich besser gefallen, als ich nach dem Klappentext erwartet hätte. Es ist ruhig geschrieben und hat etwas sehr Warmes und Nachdenkliches. Vielleicht hätte mir die Geschichte auf Englisch sogar noch ein kleines bisschen besser gefallen, aber auch auf Deutsch hat sie mir gut gefallen.

Jetzt bin ich tatsächlich neugierig auf die anderen 23 Geschichten. Ich könnte mir vorstellen, dass ganz unterschiedliche Themen dabei sind – Hoffnung, Liebe, Zweifel, vielleicht auch traurige oder lustige Geschichten. Und ich finde die Idee schön, dass Frau Elise bei manchen Menschen die Geschichten einfach erzählt bekommt, während sie bei anderen erst einmal ein bisschen die Worte „aus der Nase ziehen“ muss.

Nach dem ersten Kapitel bin ich jedenfalls froh, dass ich das Buch nicht gleich wieder weggelegt habe.