Ansprechende Story, aber sprachlich eine Enttäuschung

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simonef Avatar

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„FREI – Bester Anfang“ ist der dritte Teil einer Reihe über eine fünfköpfige Teenie-Clique aus Rottloch. Nachdem in Band 1 und 2 Josh bzw. Nasrin im Mittelpunkt standen, wird der dritte Teil nun aus Korays Perspektive erzählt. Koray lebt zusammen mit seiner Mutter bei seiner Oma. Er möchte unbedingt wissen, wer sein Vater ist, doch seine Mutter schweigt beharrlich. Zusammen mit Josh, Nasrin, Nico und Nina versucht er, das Geheimnis um seine Herkunft zu lösen.

Die Geschichte spielt in den Sommerferien, was mir sehr entgegen kam, da ich mit der reformpädagogischen Schule aus Band 2 wenig anfangen konnte. Korays Familiensituation ist schwierig. Die letzten Jahre hat er mit seiner Mutter in Dubai verbracht, doch nachdem ihre Influencer-Karriere fürs erste gescheitert ist, sind sie nach Rottloch zurückgekehrt, in den Geburtsort seiner Mutter. Diese ist erst Anfang dreißig, sehr mit sich selbst beschäftigt und nicht in der Lage, Koray Stabilität zu geben. Korays Wut und Enttäuschung sind nachvollziehbar, und seine Gefühls- und Gedankenwelt wird eindrücklich und glaubhaft beschrieben. Auch eine zarte queere Liebesgeschichte fügt sich gut in den Roman ein.

Josh, Nasrin und Nina bleiben diesmal eher im Hintergrund. Nico ging mir mit seiner prolligen Art ziemlich auf die Nerven, im echten Leben wäre mir schleierhaft, warum sich die anderem mit ihm abgeben. Band 2 hatte mich sprachlich enttäuscht, und ich war gespannt, ob der Nachfolger hier besser abschneiden würde. Diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt. Der Satzbau ist sehr einfach und besteht im Wesentlichen aus Hauptsätzen, die mit „und“ verbunden werden. Hinzu kommt, dass sehr viele Sätze auf „…., und alles klar.“, „…., und keine Ahnung“, oder „…und was soll das?“ oder ähnlich enden. Das soll wohl Jugendsprache imitieren, allerdings kenne ich keine Jugendlichen, die so sprechen. Zudem nervt es beim Lesen. Auch „weil“ wird konsequent beiordnend mit Verbzweitstellung verwendet, wo das Sprachgefühl ein „denn“ erwarten würde. Gerade im Jugendbuchbereich lege ich Wert auf eine korrekte und abwechslungsreiche Sprache, so dass ich hierfür einen Stern abziehe.

Fazit: Ansprechende Story, aber sprachlich eine Enttäuschung.