Sensibel und wunderschön

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wolfram Avatar

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Selten habe ich ein Buch gelesen, das so feinfühlig für Jugendliche die Themen Diversität, Homosexualität und Jugendfreundschaften behandelt.
Koray ist 14 und sehr unglücklich. Seine Mutter, eine gescheiterte Influencerin, streitet nur mit ihm. Seinen Vater kennt er nicht, da hält sich die Mutter bedeckt.
Und er ist verliebt in Marc, ein ganz neues Gefühl für ihn.

Das Coming Out zögert er noch etwas raus, was eigentlich nicht nötig ist, denn seine Freunde scheinen das längst zu vermuten.

Sarah Welk schreibt auch in diesem dritten Band der Reihe "Frei" in teils etwas anstrengenden Sätzen, die wohl die "Jugendsprache" bzw. die etwas konfusen Gedankengänge Pubertierender nachbilden sollen. Das Wort "Und" scheint wohl auf Platz 1 der geschriebenen Worte im Buch zu sein.

"Ich habe auf jede Frage die Schultern gezuckt, und Stefan hat "alles klar, versteh schon" gesagt und dass er Mama ausrichten wird, dass ich da war. Und da habe ich endlich die Zähne auseinandergeklappt und "auf keinen Fall" gesagt und dass ich mich nur nach dem Auto erkundigen wollte. Und da hat Stefan "auch gut" geantwortet, und tja."

Das zweite Stilmittel sind die getippten Nachrichten der Jugendlichen. Beispiel? "leude ich weiß was wir als schulprojekt machen treffen 11 Uhr Bushaltestelle"
Komplett ohne Satzzeichen oder Großschreibung.

Irgendwann akzeptiert man das aber als Gegebenheit, denn das Buch erzählt eine ganz wunderbare Geschichte der Freundesgruppe, die eisern zusammenhält und auf vielerlei Weise herauszufinden versucht, wer nun Korays Vater ist.

Band 2 dieser Reihe habe ich noch nicht gelesen, kenne aber den ersten Band. Die Bücher kann man sehr gut unabhängig voneinander lesen, es gibt so gut wie keine Bezüge auf die vorigen Geschichten.

In jedem Buch ist ein anderes Kind die Hauptperson und "Ich-Erzähler", was die Welt in und um Rottloch sehr lebendig werden lässt.