Wenn ein Gemälde alles bedeutet

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bua1705 Avatar

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Fredrik Backman versteht es, seine Leser sofort einzufangen. Schon nach wenigen Seiten ist man mitten in Louisas Welt. Sie ist siebzehn, zu groß für ihren Körper und zu laut für ihr Herz. Mit einem Rucksack voller Spraydosen steht sie in einer Kunstauktion und betrachtet ein Gemälde, das ihr alles bedeutet.

Was als scharfe Beobachtung der reichen Auktionsbesucher beginnt, wird schnell zu etwas viel Größerem. Backmans Erzählstimme ist warm, frech und weise zugleich. Sie steht so dicht über der Schulter der Figur, dass man manchmal vergisst zu lesen. Man glaubt jemandem zuzuhören, der einem die Geschichte direkt ins Ohr flüstert. Dabei wechselt der Ton mühelos zwischen Humor und Schmerz. In einem Moment lacht man laut auf. Im nächsten hat man einen Kloß im Hals.

Besonders eindrucksvoll ist die Art, wie Backman Louisas Vorgeschichte erzählt. Die verschwundene Mutter, die Heime, die tote Freundin Fish mit ihren Schraubenziehern und schlechten Witzen. All das fügt sich behutsam in die Gegenwart ein und entfaltet seine ganze Kraft genau dann, wenn man es am wenigsten erwartet. Man spürt jede dieser Erinnerungen wie einen warmen Schimmer durch den Text hindurch.

Kapitel vier öffnet dann ein zweites Fenster. Vor fünfundzwanzig Jahren sitzen vier Vierzehnjährige auf einem Anleger. Ein Sommer, der nie enden soll. Eine Freundschaft, für die noch niemand die richtigen Worte gefunden hat. Aus dieser Szene wird später das Gemälde, das Louisas Leben prägt. Hier deutet sich an, wie groß dieser Roman angelegt ist. Es ist eine Doppelhandlung über Freundschaft, die Generationen überspringen kann.

Rainer Schmidts Übersetzung trifft Backmans Ton bemerkenswert gut. Nach fünf Kapiteln bin ich Louisa schon so nah, dass ich sie auf gar keinen Fall allein hinter dieser Mülltonne zurücklassen möchte. Ich möchte den obdachlosen Mann besser kennenlernen, die verärgerte Katze, die Jungen auf dem Anleger und vor allem den Faden verstehen, der all diese Menschen miteinander verbindet. Selten habe ich mich nach so wenigen Seiten so sehr auf den Rest einer Geschichte gefreut.