Freunde fürs Leben

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theagri_liest Avatar

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Wenn in ein kurzes Leben tausend Jahre passen

Von Fredrik Backman habe ich schon viel gelesen oder gehört und immer habe ich seine Art zu erzählen und seine Geschichten gemocht. Daher wollte ich auch diesen neuen Roman gern kennenlernen.

Er schafft es immer wieder, Charaktere zu schaffen, die besondere Eigenschaften haben, deren Handlungen von der Norm abweichen und die gerade darum liebenswert sind. Hier ist es Louisa, die im Kinderheim aufwächst, die Kunst liebt und gern mit Spraydosen im Rucksack unterwegs ist. So auch an dem Tag, als sie dem wertvollen Bild in der Galerie gegenübersteht und einem Menschen begegnet, der ihren Lebensweg ändert. Bald steht sie am Meer und sieht das Gemälde vor ihren Augen, das ihr viel bedeutet, das für sie Familie ist. Ein Bild, das in Farbe flüstert und sie weiß, niemand könnte Freundschaft so malen, wenn er nicht vorher ein einsames Kind gewesen ist.

In einer zweiten Zeitebene erzählt der Autor die Geschichte der vier Freunde die das Gemälde zeigt. Auch hier wird nachvollziehbar erzählt, wie Teanager sich fühlen, wie sie denken und für Erwachsene unverständlich handeln. Und es ist erschreckend und erstaunlich, zu hören, was sie erleben werden. Es beginnt mit einem Sommer voll "prachtvoller Dummheit". Ein Sommer, der das Leben der vier Freunde gravierend verändert.

Gewohnt einfühlsam, flüssig, humorvoll, klug, anschaulich und ausgewogen erzählt Backman diese Geschichte. Man meint neben Louisa vor dem Bild zu stehen und ihre Gefühle zu spüren. Wundervolle Beschreibungen und Ausdrücke mit denen der Autor diese Geschichte plastisch, herzergreifend und nahegehend macht. Immer wieder wird von Phobien, Ängsten, der Protagonisten erzählt und wie sie damit leben, sie überwinden oder unterdrücken.

Es ist beeindruckend, wie Fredrik Backman Charaktere entwickelt und nach und nach deren Komplexität aufzeigt, wie er Gefühle beschreibt und erklärt, woher diese kommen, woraus sie sich entwickeln. Freundschaften und zwischenmenschliche Beziehungen und ihre Entwicklungen werden authentisch, glaubhaft und spannend erzählt. Es gelingt ihm feine Zwischentöne hörbar und winzige Details spürbar zu machen.

Besonders hat mir Louisa gefallen, in deren Charaktere so viel echtes Leben gespiegelt wird und deren Leben noch hoffnungsvoll vor ihr liegt, obwohl die Perspektiven nicht rosig sind, die so unbekümmert, wissbegierig, weise und angstvoll ist.

Steffen Groth liest dieses Hörbuch sanft, einfühlsam, nachdenklich. Aber auch Aufregung, Empörung und Spannung kann man prima heraushören. Sehr gut gefiel mir, dass man ohne Probleme die beiden Zeitebenen erkennt.

Ein wunderbares Hörbuch, inhaltsreich und tiefgründig, das ich jedem empfehlen kann.