Freundschaft, Erinnerung und die Kraft der Kunst

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Frederik Backman versteht es wie kaum ein anderer, Geschichten zu erzählen, die gleichzeitig tief berühren und zum Schmunzeln bringen. So haben mich schon die ersten Kapitel von Freunde fürs Leben emotional komplett abgeholt.
Ein weltberühmtes Gemälde lässt die 18-jährige Louisa seit Jahren nicht mehr los. Um herauszufinden, welche Geschichte sich dahinter verbirgt, reist sie in die kleine Küstenstadt, in der es entstanden ist.
Dabei stößt sie auf die bewegende Vergangenheit einer Gruppe Jugendlicher und entdeckt sowohl Antworten als auch einen neuen Blick auf ihr eigenes Leben.
Backmanns Sprache ist klug, feinfühlig und voller Wärme, sodass man sich den Figuren sofort verbunden fühlt. Gleichzeitig lockert sein oft trockener, manchmal sogar schwarzer Humor die melancholische Grundstimmung immer wieder auf und macht das Leseerlebnis besonders.
Besonders gut gefallen hat mir der Wechsel zwischen der Gegenwart und den Rückblenden. Nach und nach setzt sich die Geschichte wie ein Puzzle zusammen, wobei Backman die Kapitelenden geschickt nutzt, um kleine Cliffhanger einzubauen. Dadurch wollte ich immer wissen, wie es weitergeht und welche Verbindung zwischen Louisa und den vier Freunden aus der Vergangenheit besteht.
Was Backman außergewöhnlich gut gelingt, ist seine Figurenzeichnung. Ob Louisa, Ted, Joar, Ali, der Maler oder auch die Elternfiguren, alle Charaktere wirken lebendig, glaubwürdig und authentisch. Sie haben Ecken und Kanten, tragen ihre eigenen Verletzungen mit sich und begegnen einander dennoch mit einer Warmherzigkeit, die den Roman so besonders macht. Gerade diese zwischenmenschlichen Momente verleihen der Geschichte ihre emotionale Tiefe.
Im Mittelteil verlor der Roman für mich jedoch etwas an Spannung. Obwohl mich die Atmosphäre und die Charaktere weiterhin begeistert haben, zog sich die Handlung stellenweise in die Länge. Dadurch konnte mich die Geschichte nicht durchgehend so fesseln wie zu Beginn, auch wenn ich bis zum Ende gerne bei den Figuren geblieben bin.
Insgesamt ist dieser Roman ein typischer Backman: melancholisch, humorvoll und voller Menschlichkeit. Wer seine Art zu schreiben liebt, wird auch mit Freunde fürs Leben viele berührende Lesestunden erleben.