Wahrlich außergewöhnlich rübergebracht.

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davidpohl Avatar

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Mich hat dieser Text sofort gepackt. Es ist unglaublich berührend zu lesen, wie die Autorin das eisige Schweigen ihrer eigenen Familie bricht. Dieses typische „Bei uns ist damals halt nix passiert“ – das man aus so vielen deutschen Familien kennt – wird hier elegant und schmerzhaft zerlegt.

Besonders eindrucksvoll fand ich den Kontrast zwischen dem schmerzhaften NS-Verbrechen und den fast schon skurrilen, alltagsweltlichen Details: Wie sie nachts zwischen den verstreuten Legosteinen ihrer Kinder in digitalen Kirchenbüchern wühlt oder wie der pensionierte Friedhofsgärtner Norbert Mohr im Flanellhemd seelenruhig das Taufbecken poliert, während er über das Ausgraben von Knochen im gefrorenen Boden spricht.

Das ist keine trockene Geschichtsstunde, sondern eine hochemotionale, fast detektivische Spurensuche, die mir richtig unter die Haut gegangen ist. Man spürt förmlich den Drang der Autorin, ihrer Urgroßtante nach über 80 Jahren endlich ihre Würde und ihre Geschichte zurückzugeben.