Auf den Spuren einer vergessenden Vergangenheit

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arbnora.ra Avatar

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In ihrem Buch „Frieda“ beschäftigt sich Geraldine Oetken mit der Geschichte ihrer Urgroßtante Frieda, von der in ihrer Familie lange Zeit kaum etwas bekannt war. Erst als Oetken Anfang dreißig erfährt, dass Frieda 1941 in einer Anstalt für Menschen mit Behinderungen gestorben ist, beginnt sie, sich intensiver mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Sie möchte herausfinden, wer Frieda war, wie ihr Leben aussah, warum sie in einer Anstalt lebte und unter welchen Umständen sie starb.

Besonders interessant finde ich den Einstieg in die Geschichte, da die Autorin zunächst selbst nur sehr wenige Informationen über Frieda besitzt. Dadurch entsteht eine Art Spurensuche, bei der man sie auf ihrem Weg durch Archive, Krankenakten und Friedhöfe begleitet. Gleichzeitig erfährt man viel über den Umgang mit psychisch erkrankten und behinderten Menschen während des Nationalsozialismus. Dadurch behandelt das Buch ein sehr wichtiges Thema, das nicht in Vergessenheit geraten sollte.

Positiv fand ich außerdem die Erzählweise und die Einblicke in die journalistische Arbeit der Autorin. Man bekommt einen guten Eindruck davon, wie aufwendig es sein kann, Informationen über eine Person aus der Vergangenheit zusammenzutragen. Das Buch regt außerdem zum Nachdenken an, besonders darüber, wie mit Menschen im Nationalsozialismus umgegangen wurde und wie lange die Folgen solcher Ereignisse in Familien weiterwirken können.

Allerdings hatte das Buch für mich auch einige Schwächen. Stellenweise fand ich die Beschreibungen der Suche nach Informationen zu ausführlich. Dadurch wurde die Geschichte für mich mit der Zeit etwas langweilig. Außerdem hatte ich zwischendurch das Gefühl, dass manche Passagen eher dazu dienten, das Buch zu füllen, anstatt die Geschichte wirklich voranzubringen.

Insgesamt ist „Frieda“ ein interessantes und wichtiges Buch, das eine persönliche Familiengeschichte mit einem bedeutenden Teil der deutschen Geschichte verbindet. Auch wenn einige Stellen meiner Meinung nach etwas zu langatmig sind, finde ich die Thematik sehr lesenswert. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Autorin versucht, Frieda ihre Geschichte zurückzugeben und damit gleichzeitig an Menschen erinnert, die während des Nationalsozialismus vergessen oder bewusst aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden.