Die Suche nach Frieda

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Die Suche nach Frieda

Manchmal sollte man seinen Großeltern besser zuhören. Das habe ich mir schon öfter gedacht. Als meine Oma aus ihrer Jugend erzählt hat, war ich selbst noch zu jung, als dass es mich interessiert hätte. Nun würde es mich sehr interessieren, doch sie ist nicht mehr da. Umso wichtiger finde ich Bücher wie dieses!

Es hat mich nicht nur beschäftigt, sondern mich an vielen Stellen aufgewühlt und mich selbst zum Nachdenken gebracht. Denn Geraldine Oetken macht sich auf die Suche nach ihrer Urgroßtante Frieda, über die in der Familie kaum gesprochen wurde. Was zunächst mit wenigen Fragen beginnt, entwickelt sich zu einer jahrelangen Recherche über Friedas Leben und ihren Tod in der NS Zeit.

Besonders berührt hat mich, wie sie versucht, Frieda wieder sichtbar zu machen. Aus alten Akten, Fotos und wenigen Informationen entsteht langsam das Bild eines Menschen, dessen Leben lange verschwiegen wurde. Dabei wird deutlich, wie grausam mit Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen umgegangen wurde. Sie wurden ausgehungert und getötet.

Sehr gut fand ich auch die persönliche Ebene. Sie hinterfragt nicht nur das Schicksal ihrer Urgroßtante, sondern auch die Geschichte ihrer eigenen Familie. Sie beschäftigt sich mit dem Schweigen, mit möglichen Verstrickungen und mit der Frage, wie viel eine Familie verdrängen kann.

Das Buch ist definitiv keine leichte Lektüre. Manche Passagen waren mir durch die vielen Zahlen, Daten und ausführlichen Recherchen etwas zu lang und ich musste des Öfteren Pause machen. Trotzdem fand ich gerade diese Genauigkeit wichtig, denn Frieda soll nicht nur eine Zahl in der Geschichte bleiben.

Für mich ist dieses Buch eine wichtige und berührende Spurensuche. Es gibt Frieda ihre Geschichte zurück und erinnert daran, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht. Ein Buch, das nicht vergessen werden sollte.

ISBN: 978-3103977547
Autorin: Geraldine Oetken
Verlag: S. Fischer
ET: 29.07.26
Umfang: 336 Seiten