Gegen das Vergessen

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meisje25 Avatar

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Frieda von Geraldine Oetken ist kein Roman, keine ausgeschmückte Geschichte – es ist die beharrliche Recherche einer Urgroßnichte, die weit über das Leben ihrer Verwandten hinaus in die Abgründe der NS‑Zeit vordringt.

Drei Jahre lang hat die Autorin versucht, Fakten und Spuren über das Leben ihrer Urgroßtante Frieda zusammenzutragen, die 1941 in einer Anstalt für Menschen mit Behinderungen starb. Sofort denkt man an die systematische Euthanasie und den grausamen Umgang mit Menschen, die nicht der nationalsozialistischen Norm entsprachen. Doch über Frieda selbst ist kaum etwas erhalten: eine klinisch saubere Akte, ohne Hinweise darauf, wie sie lebte, wer sie war oder wie sie starb.

Also beginnt Oetken, in den weiteren Kreisen zu suchen. Sie durchforstet Patientenakten, gräbt tief in der eigenen Familiengeschichte und schreckt nicht davor zurück, als sich zeigt, dass auch ihre Vorfahren Teil des Systems waren – und sie selbst indirekt Nutznießerin der damaligen Erträge ist.

Das Buch macht eindringlich klar, dass Nazideutschland nicht nur aus Hitler, Goebbels und der Machtzentrale bestand. Millionen Menschen trugen das Regime mit, oft weit entfernt von Berlin, und wurden so zu Täterinnen und Tätern. Viele der Fakten und Statistiken, die Oetken zusammenträgt, scheinen zunächst nicht direkt mit Frieda verbunden – und doch zeichnen sie das Umfeld, in dem Frieda lebte und starb, mit erschütternder Präzision nach.

Frieda ist ein wichtiges, berührendes und aufklärendes Buch. Trotz seines dokumentarischen Charakters liest es sich erstaunlich anregend; der Erzählstil hält einen mühelos im Text. Für alle, die sich mit Familiengeschichte, Erinnerungskultur und der Frage nach individueller Verantwortung im NS‑Staat beschäftigen, ist es eine klare Leseempfehlung.